Wie sieht das perfekte Amateurstadion aus?

»Zigarrenrauch, Trikotmuff – herrlich!«

Wie ist es mit anderen Hamburger Amateurstadien? Der Oberligist Barmbek-Uhlenhorst hat seit einiger Zeit ein neues Stadion.
Es gibt dort eine große Tribüne samt Stehplätzen, aber hinter einer Geraden eine riesige Schallschutzwand. Ich finde es okay, aber auch etwas zu steril und funktional.

Das liegt in der Natur der Sache. Oder wollen Sie mit dem HFC Falke ein altes Stadion kaufen?
Eigentlich wäre das eine Riesenmarktlücke: ein Großhandel mit runtergerockten Stadien. (Lacht.) Aber klar, auch unser Stadion wird erst mal neu und sauber aussehen. Doch es geht ja um mein Traumstadion, und das ist eben etwas in die Jahre gekommen.

Dann träumen Sie weiter!
Unser neues Klubheim muss nicht supermodern sein. Ich fände einen alten Container aus dem Hafen gut. So einen haben sie auf einer Anlage in Lurup. Dort riecht es heute noch nach Zigarrenrauch aus den Achtzigern und dem Trikotmuff aus den Neunzigern. Herrlich. So ein ganz spezieller Geruch, den es nur beim Fußball gibt.


Mini-Doku zum »Tag der Amateure 2017« über die Hamburger Amateurklubs Hurricanes und HFC Falke. In diesem Jahr findet der »Tag der Amateure« am 13. Oktober statt. Mehr Infos auf tagderamateure.de

Sie haben den HFC Falke vor fünf Jahren gegründet als Abkehr vom kommerziellen Profifußball und aus Enttäuschung über die Ausgliederung der Profiabteilung des HSV und die Gründung einer Aktiengesellschaft. Wie erinnern Sie die supermodernen Multifunktionsarenen der Bundesligavereine?
Es herrschte Konsumklima. Das Bier war teuer und die Tickets sowieso. Gestört hat sich kaum jemand daran.

Beim HSV kostete der Stehplatz nur 15 Euro.
Das haben viele Leute gesagt. Aber das ist doch ganz schön viel: 15 Euro für einen Stehplatz! Besonders schlimm fand ich diese Passivität in den Arenen. Die Leute haben einfach alles hingenommen. Die Werbeveranstaltungen vor den Spielen, die Gewinnspiele, die extrem laute Beschallung mit Remmidemmimusik.



Zuschauerrekord: 773 Fans kamen im Oktober 2016 zu einem Kreisligaspiel gegen die vierte Herren des FC St. Pauli

Und die wird es im neuen Stadion des HFC Falke auf keinen Fall geben?
Einen Stadion-DJ haben wir auch. Aber der spielt keine Chartmusik, sondern Lieder, die zum Fußball passen. Und wenn es einem Zuschauer zu laut ist und er selber singen möchte, machen wir sie auch gerne mal etwas leiser. 

Auf was kann sich der Zuschauer noch freuen?
Auf hoffentlich viele Stehplätze – und Sitze aus dem alten Mainzer Bruchweg, die man uns angeboten hat. Ansonsten wird es selbst gekelterten Falke-Cider und die schärfste Currywurst im Hamburger Fußball geben. Verkostung auf eigene Gefahr. Einen ersten Testlauf machen wir schon diesen Herbst auf der Sportanlage am Steinwiesenweg. Ich züchte schon die scharfen Chilis auf meinem Balkon.

Philipp Markhardt, Jahrgang 1980, ist Gründer und Präsidiumsmitglied des HFC Falke. Früher war er Mitglied der HSV-Ultragruppe Chosen Few.