H96-Trainer Mirko Slomka im Interview

»Muss nicht auf Google, um mich über Aue zu informieren«

Ist es ein Vorteil, dass Sie die Eigenheiten des Profis Schlaudraff als Trainer erlebt haben?
Aus meiner Sicht schon. Wir kennen uns gut, da entfällt die sonst typische Phase des Beschnupperns und Kennenlernens. Wir waren deshalb aus dem Stand auf maximaler Betriebstemperatur, konnten uns die Warm-up-Phase sparen.

Wie viel Arbeit war es, nicht nur Führungsspieler wie Edgar Prib, Felipe und Marvin Bakalorz zum Bleiben zu überzeugen, sondern auch Ron-Robert Zieler zur Rückkehr zu bewegen?
Ich musste schon die große Violine rausholen. (Lacht.) Aber im Ernst: Ron-Robert kenne ich lange, es besteht ein sehr gutes Vertrauensverhältnis zwischen uns. Das hat das Gespräch natürlich leichter gemacht. Er ist nicht nur ein sehr guter Torwart, sondern auch ein richtig guter Typ mit viel Erfahrung, der den Verein sehr gut kennt. Dass er zugesagt hat, spricht dafür, dass wir ihm etwas Vernünftiges zu erzählen hatten.

Was waren dabei die schlagenden Argumente?
Es war sicherlich ein Mix aus Punkten, die den Ausschlag gegeben haben. Er hat sich immer wohl gefühlt in Hannover, da entscheidet die Emotion auch ein Stück weit mit. Und dass der Verein sportlich wieder nach oben will - mit einer Truppe, wo er gut reinpasst -, war sicher auch ein starkes Argument. Last but not least spielt vielleicht auch der neue Cheftrainer eine kleine Rolle. (Lächelt.)

Wie haben Sie sich auf die Besonderheiten der zweiten Liga vorbereitet?
Ich muss nicht auf Google gehen, um mich über Sandhausen oder Aue zu informieren. (Lacht.) Ernsthaft: Ich habe die zweite Liga immer verfolgt, auch in den vergangenen Jahren. Zudem sind besonders in der neuen Saison viele Ex-Bundesligisten in der Liga unterwegs, das macht sie noch einmal herausfordernder. Ich kenne viele Trainerkollegen und Spieler, die jetzt in der zweite Liga unterwegs sind und fühle mich gut gerüstet.

Worauf kam es Ihnen bei der Zusammensetzung des neuen Kaders besonders an?
Neben den spielerischen Fähigkeiten auf die Mentalität. Jan und ich sind 96er, wir wollen in der künftigen Mannschaft lauter Jungs haben, die mit Leidenschaft für diesen Verein auf den Platz gehen.

Was für einen Fußball wollen sie spielen lassen?
Einen attraktiven. Aber das heißt nicht, dass wir die Defensive vernachlässigen, auch einige unserer bisherigen Transfers dokumentieren schließlich, dass wir uns da gezielt verstärken. Natürlich ist Fußball Ergebnissport, aber die Zuschauer schätzen eben auch attraktive Spielzüge. Diesen Mix wollen wir hinbekommen.

Die Mannschaft hat letzte Saison nur 31 Tore geschossen, wie wollen Sie die Tormaschine wieder anwerfen?
Unter anderem durch neue Stürmer. Marvin Ducksch ist zum Beispiel einer, der das kann. Er war in der Saison 2017/18 Torschützenkönig der zweite Liga, das kann er von mir aus gerne wiederholen bei uns in dieser Saison. (Lächelt.)

Mirko Slomka, was ist am Ende dieser Saison für Hannover 96 möglich?
Wir wollen auf jeden Fall oben mitspielen.

Anders gefragt: Lässt sich prozentual beziffern, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass Hannover 96 im Wettstreit mit anderen ambitionierten Zweitligisten der Wiederaufstieg gelingt?
Nein. Ich habe zwar Mathematik studiert, aber diese Prozentzahl kann auch ich nicht seriös ausrechnen.