Amin Younes über seine neue Heimat Neapel und Käfigfußball

»Ich wollte der Beste sein«

Amin Younes hat bewegte Jahre hinter sich. Erst gab es große Verwirrung um seinen Wechsel nach Italien, dann riss ihm auch noch die Achillessehne. Doch er hat sich zurückgekämpft – und mit uns gesprochen. Über den Ärger der letzten Jahre, den SSC Neapel und Joachim Löw.

Daniel Gebhart de Koekkoek
Heft: #
212

Hinweis: Für die neue 11FREUNDE-Ausgabe haben wir Amin Younes in Neapel besucht und ausgiebig mit ihm gesprochen. Das komplette Interview, in dem Younes über seine Kindheit in einem Düsseldorfer Plattenbau, seinen fußballverrückten Vater, den Libanon, das Chaos um seinen Transfer nach Neapel und die Mafia-Gerüchte um seine Person spricht, gibt es ab sofort in 11FREUNDE #212. Entweder am Kiosk eurer Wahl oder direkt bei uns im Shop.

Das folgende Interview ist eine Ergänzung zum langen Gespräch im Heft.


Amin Younes, Neapel gilt als heißes Pflaster. Wie sichtbar sind die Probleme mit der organisierten Kriminalität?


Ich habe davon bisher nichts mitbekommen. Und die Stadt macht auf mich auch einen friedlichen Eindruck. Klar, es gibt Viertel, in denen es rau zugeht, und da fahre ich nicht extra hin. Aber andere Städte haben ebenfalls Brennpunkte.

Es heißt, alles hier sei etwas extremer. Haben Sie sich mal Bilder von der Meisterfeier 1987 angeschaut, als Neapel zum ersten Mal überhaupt den Scudetto gewonnen hatte?

Ja. Die hängen bei unserem Zeugwart Tomaso in der Kabine. Die komplette Altstadt war vollgestopft mit Menschen, alle waren außer Rand und Band. Aber ich bin mir sicher: Das wäre heutzutage genauso. Wenn wir die Meisterschaft gewinnen sollten, reißen die Fans hier alles ab.




Bild: imago images

Glauben Sie daran?

Ich denke dauernd daran, es ist ein großer Traum von mir. Und ich versuche alles dafür zu tun. Aber warum sollte es uns nicht gelingen? Wir sind in dieser Saison Zweiter geworden, wir müssen also nur einen Platz weiter hoch klettern. Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich innerhalb von zwei Jahren von einem Ergänzungsspieler bei Gladbach zum Confed-Cup-Sieger werde. Warum soll ich also nicht auch italienischer Meister werden?



Wie klingt das Stadio San Paolo eigentlich, wenn man trifft?

Unglaublich. »Decibel«, unser Stadionsprecher, legt sich nach Toren wahnsinnig ins Zeug, dafür ist der Klub auf der ganzen Welt berühmt. Der Tag, an dem ich nach meiner langen Verletzungspause endlich das erste Mal von Anfang an spielen durfte und dann auch noch nach zehn Minuten gegen Udinese traf, war einer der schönsten meines Lebens. Ich hatte mir zu Saisonbeginn ja die Achillessehne gerissen und mich nicht in irgendeinem Dorfklub zurückgekämpft, sondern bei einem echten Topverein. 



Von außen wirkt das San Paolo wie ein Stadion aus einer anderen Zeit. Wie sieht es von innen aus?

Ähnlich. In Italien ist nicht alles so hypermodern wie in Deutschland, da fällt in manchen Stadien auch mal das warme Wasser aus. Aber ich finde das geil, es sorgt für Bolzplatz-Feeling. Wenn man wie ich in einem solchen Umfeld groß geworden ist, stört einen das nicht. Damals gab’s auch keinen Glamour.



Obwohl Sie schon als 7-Jähriger bei Borussia Mönchengladbach gelandet sind, nennen Sie sich selber einen Straßenfußballer. Warum?

Weil ich zusätzlich zum Training auch immer mit meinen Freunden in Düsseldorf unterwegs war, auf den Bolzplätzen bei uns im Viertel, und ich diese Form des Fußballs geliebt habe. Mich mit anderen direkt zu messen, eine Methode zu finden, an allen vorbei zu dribbeln, besondere Dinge auf dem Platz zu machen. Mir hat es nie gereicht, einfach nur mitzuspielen. Ich wollte der Beste sein. Mich in der Art, Fußball zu spielen, von den anderen Kindern unterscheiden. Und das lernt man eher auf einem Bolzplatz als im Training.