Zum Geburtstag von Skandalnudel José Chilavert

»Jesus Christus haben sie auch kritisiert«

Denn der Mann mit dem wohlgewählten Spitznamen »Die Bulldogge« und der unglaublich kurzen Zündschnur hamsterte während seiner aktiven Zeit zwölf nationale und internationale Titel. Den vor sich hin darbenden argentinischen Klub Velez Sarsfield, der seit 1968 nicht mehr argentinischer Meister geworden war, führte er zu drei nationalen Titeln, dem Triumph in der Copa Libertadores 1994 und dem Gewinn des Weltpokals. Dreimal wurde er zum Welttorhüter gewählt. »Ich bin der Prototyp des Torwarts des Dritten Jahrtausends«, tönte Chilavert nicht ganz zu Unrecht. 1996 schaffte er es sogar, als Torhüter das Tor des Jahres in Südamerika zu schießen. Im Spiel gegen River Plate drosch er einen Freistoß aus knapp 60 Metern über seinen verdutzten Gegenpart German Burgos ins Tor.

Natürlich aber schwankte auch sein Sensationstreffer in der typischen Chilavert-Art zwischen Genie und Arschloch. Bereits vor der Partie hatte er Burgos als »mittelmäßigen Torwart« abgewatscht, und ihm nach dem Treffer den guten Rat gegeben, er solle »lernen, sich besser zu konzentrieren«. Als Chilavert ein halbes Jahr später im Länderspiel gegen Argentinien ein Freistoßtor gegen Burgos nachlegte, war dieser dem Nervenzusammenbruch nahe.

»Ich bin ein Freund des Volkes«

Während die gegnerischen Fans ihn hassten – achtmal wurde Chilavert von Wurfgeschossen oder Knallkörpern von den Rängen verletzt – hatte er bei den paraguayischen Fans trotz alles Eskapaden zu jeder Zeit einen hohen Stellenwert.  Ein Stellenwert, der vor allem aus der Offenheit resultierte, mit der er gesellschaftliche Missstände anprangerte. Auf die Teilnahme an der Copa America 1999 verzichtete er, aus der Überzeugung heraus, dass sein Land das Geld eher in Bildung investieren solle denn in Fußball.

»Ich bin ein Freund des Volkes«, diktierte er der paraguayischen Presse pathosschwanger in den Notizblock und kokettierte offen mit dem Präsidentenamt. Die Begeisterung seiner Anhänger nahm dabei jedoch mitunter bedenkliche Züge an. »Jesus Christus haben sie auch kritisiert, und er starb für seine Überzeugungen am Kreuz«, schrieb ihm ein Fan ins Gästebuch seiner Homepage.

»Ich will, dass ich stets in den Schlagzeilen stehe«

Für seine Überzeugungen ist Chilavert bisher nicht gekreuzigt worden, ebensowenig wie er Präsident wurde. Auch von Eskapaden oder Schlägereien ist nichts mehr zu hören. Was ein wenig verwundert, schließlich formulierte Chilavert sein Lebensziel einst so: »Ich will, dass ich stets in den Schlagzeilen stehe, dass die Leute immer von mir reden. Egal, ob gut oder schlecht.«