Zu Weisweilers 100.

Rheinische Götterdämmerung

Doppeltes Jubiläum: Vor 100 Jahren wurde Hennes Weisweiler geboren. Und vor 40 Jahren zerstritt er sich mit seinem Herzensklub.

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Am heutigen Tag kann man im Internet keinen Schritt tun, ohne auf ein Bild von Hennes Weisweiler zu stoßen. Die meisten von ihnen sind schwarz-weiß, was wohl anzeigen soll, dass der legendäre Trainer tot ist. Das aber dürfte den meisten Lesern nicht gänzlich unbekannt sein, verstarb Weisweiler doch schon im Juli 1983. Und es geht ja heute auch gar nicht um seinen Todes-, sondern um seinen Geburtstag, denn der neben Sepp Herberger wohl einflussreichste deutsche Fußballlehrer erblickte vor genau 100 Jahren das Licht der Welt.

Doch es gibt noch ein anderes Jubiläum in Verbindung mit Weisweiler, auf das man vielleicht nicht gleich kommt. Denn vor ziemlich genau vierzig Jahren, im Winter 1979/80, bahnte sich sein schockierender Abschied vom 1. FC Köln an. Also von dem Klub, den er damals nicht bloß trainierte, sondern den er verkörperte wie kein anderer. Weisweiler, dessen Geburtshaus sich kaum 20 Kilometer entfernt vom Dom befand, war ja sogar Mitglied bei einem der Vorgängervereine des FC gewesen, dem Kölner BC. Er stand auf dem Rasen, als zum ersten Mal eine Mannschaft vor den Ball trat, die den Namen 1. FC Köln trug. Er führte den Klub als Trainer in die Oberliga. Sogar das Maskottchen bekam seinen Vornamen!

Kritik am Führungsstil

In seiner zweiten Amtszeit beim FC, zwischen 1955 und 1958, führte er die Mannschaft dann in die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. Und in seiner dritten gewann er das Double, bevor er bis ins Halbfinale im Europapokal der Landesmeister vordrang. Das aber wurde gegen Nottingham Forest verloren, obwohl die Kölner beim Hinspiel in England ein 3:3 erreichten. In den folgenden Wochen und Monaten taten sich die ersten Risse auf. In der Sommerpause 1979 wurde Weisweiler beim Vorstand vorstellig und bat um Vertragsauflösung, damit er als Manager zum FC Barcelona gehen konnte. Das wurde ihm verwehrt, obwohl es im Vorstand da schon die eine oder andere murrende Stimme gab, die nicht nur die jüngsten Ergebnisse kritisierte, sondern auch den Führungsstil des Trainers. 

Weisweiler, für den das Streiten mit Stars eine eigene Kunstform darstellte, hatte sich nämlich im Laufe der Saison erst mit dem Publikumsliebling Heinz Flohe überworfen, dann auch noch mit Herbert Neumann. Das Verhältnis zu Neumann konnte Weisweiler noch kitten, doch Flohe bestand auf einem Wechsel. Präsident Peter Weiand versuchte, den Spieler zu halten, doch Flohe berief sich auf eine mündliche Zusage von Manager Karl-Heinz Thielen, der versprochen hatte, ihm bei einem Angebot über 600.000 Mark keine Steine in den Weg zu legen. Mitte Juli 1979 unterschrieb Flohe bei 1860 München. Im Vorstand war man nicht glücklich darüber, dass Weisweiler die Situation hatte eskalieren lassen, deshalb legte man die Vertragsverhandlungen mit dem Trainer, dessen Kontrakt zum 30. Juni 1980 auslief, erst einmal auf Eis.