Zu Gast bei den parteiischsten Sportzeitungen der Welt

»Das ist der Kampf der zwei Spanien«

Siege gegen Real sind für ihn etwas Besonderes, seit er zum ersten Mal ein Spiel des FC Barcelona gesehen hat. Das war 1974, Barcelona siegte 5:0 gegen Real im Bernabeú. Damals lebte Franco noch. Poqui war acht Jahre alt, von Politik verstand er nichts, aber was er verstand, war, dass die Menschen in Barcelona
unheimlich stolz waren.

Heute bezeichnet sich Poqui als politisch interessierten Menschen. Er sei katalanischer Nationalist, einer, der sich ein von Spanien unabhängiges Katalonien wünscht. Real Madrid gegen Barcelona ist für ihn auch »der Kampf der zwei Spanien«. Eine Bezeichnung aus der Zeit vor dem spanischen Bürgerkrieg. Auf der einen Seite das zentralistische, konservative Madrid, auf der anderen das linke, nach Autonomie strebende Katalonien, zusammen mit weiteren Regionen Spaniens.

»Uns liegt viel daran, die Rivalität zu schützen«

»Real war immer ein geschützter Klub, seit Franco entdeckt hatte, wie wichtig Fußball als sozialer Faktor ist. Santiago Bernabeú, Reals Präsident, hat für Franco gekämpft. Beide wollten Real zum Aushängeschild Spaniens machen«, sagt Poqui. Es gibt nicht wenige Leser von »Mundo Deportivo«, die ähnlich denken. Fußball und Politik sind in Barcelona seit jeher verwoben. Während der Diktatur war Barça für viele Katalanen ein Symbol der Freiheit. Eine Institution, die sich von Franco nicht klein machen ließ.

Als die Menschen kurz vor Francos Tod in Barcelona auf die Straße gingen, war Francesc Perearnau dabei. Der Student von damals hat es mit den Jahren bis an die Spitze von »Mundo Deportivo« gebracht. Lange bestimmte er, was und wie über den FC Barcelona berichtet wird. Die Auseinandersetzung mit Real Madrid spielte immer eine wichtige Rolle. »Uns liegt viel daran, die Rivalität zu schützen«, sagt er und fragt: »Welches Land hat schon so eine?« Die Antwort gibt sich Perearnau, ein großer, schlanker Mann, der langsam und bedächtig spricht, selbst: »Keines!«

Für die Rivalität in den Zeitungen gibt es klare Regeln. Es wird nie gegen den anderen Klub als Institution geschrieben. Immer wieder gab es mal Versuche dieser Art – ohne Erfolg. Im Mittelpunkt stehen die Protagonisten, also Präsidenten, Trainer oder Spieler. Ihre Handlungen werden kritisch beäugt. Barcelonas Presse hat sich in der jüngeren Vergangenheit Reals Verteidiger Pepe als Lieblingsfeind ausgeguckt, »As« und »Marca« verteilen gern Hiebe gegen die Entscheidungsträger beim FC Barcelona. Zuletzt im Fall Neymar, in dessen Folge Barcelonas Präsident Sandro Rosell seinen Rücktritt erklären musste.

Vage Konstruktionen

Für die finanziellen Unregelmäßigkeiten beim Transfer des Brasilianers musste Barcelona viel Kritik einstecken. Nicht von »Mundo Deportivo«. Das Blatt verteidigte stets die Politik des Klubs. Perearnau sagt: »Der Verein hat nichts falsch gemacht.« Dann legt er eine komplizierte Rechnung vor, die Barças Unschuld beweisen soll. Es bleibt eine vage Konstruktion. Da spielt es auch keine Rolle, dass Rosells Nachfolger Josep Maria Bartomeu inzwischen längst eingestanden hat, dass die zuerst angegebene Ablösesumme von 57,1 Millionen Euro nicht der Wahrheit entsprach und Neymar viel teurer war.

Joan Poqui ist egal, wie viel Geld Neymar gekostet hat. Der neue Stürmer ist jeden Cent wert, glaubt er. Im Idealfall wird Neymar noch viele Tore für Barça gegen Real schießen. Poqui gibt sich keine Mühe, seine Abneigung gegen Madrid zu verbergen. Seine Polemik wird von der Leserschaft geliebt. Er ist für den Barcelonismo, was Roncero für den Madridismo ist.

Poqui und Roncero, die beiden haben sich mal während einer Radioshow getroffen. Solche Zusammenkünfte kommen unter den Journalisten öfter vor. Alle versichern, dass sie persönlich gut miteinander können. Auch Poqui und Roncero. Ein freundlicher Händedruck, kurzer Small Talk unter Kollegen, mehr war es dann aber doch nicht. »Roncero«, sagt Poqui und bläst die Backen auf. »Roncero, uff, der ist verrückt.«