Wie Hertha BSC ein Zeichen gegen Diskriminierung setzte

Wie politisch sollte Fußball sein?

»Da liegen Tote in den Straßen, und Menschen bekommen bezahlten Urlaub und kommen mit Mord davon«, sagte Kaepernick damals. Er kniet mittlerweile nicht mehr. Er hat keine Gelegenheit dazu. Er ist zur Persona non grata geworden, kein Team hat ihn in diesem Sommer verpflichtet. Auch nach dem Ausfall anderer Quarterbacks und der offensichtlichen Suche nach einem Spieler seines sportlichen Profils wurden andere eingestellt.

Die Debatte wurde unterdessen hitziger. Mehrere Mannschaften knien oder bleiben während der Hymne in der Kabine. Vize-Präsident Mike Pence verließ öffentlichkeitswirksam das Stadion. Präsident Trump nannte protestierende Spieler »Hurensöhne« und forderte ihre Entlassung. Die NFL versucht zu schlichten in der Frage, wie politisch Sport sein darf.

Nachhilfe im 21. Jahrhundert

Die Frage, wie politisch der Fußball sein sollte, hat Hertha BSC gestern beantwortet. Das Foto von den Spielern am Mittelkreis wurde bis zum Abend tausendfach geteilt und retweetet. Weltweit – und natürlich auch in den USA.

Innenverteidiger Sebastian Langkamp sagte: »Wir leben nicht mehr im 18. Jahrhundert, sondern im 21. Jahrhundert. Es gibt aber einige Leute, die ideologisch noch nicht so weit sind. Wenn wir da etwas Nachhilfe geben können, ist das doch gut.« Manager Michael Preetz sprach davon, dass der Verein seit jeher für Vielfalt und gegen Diskriminierung stehe.

Kein Wort von Dardai

Trainer Pal Dardai wollte sich auf Nachfrage in der Pressekonferenz nicht äußern. In den sozialen Medien kam die Frage auf, ob alles ein PR-Stunt sei und ob sich die Mannschaft der leicht entzündlichen Symbolik bewusst wäre. Salomon Kalou erklärte nach dem Spiel, dass die Idee des Protests zwar von der NFL adaptiert sei, differenzierte aber auch: »Wir sind in einer anderen Situation.«

Von den Berlinern dürfte niemand befürchten, dass er aufgrund dieser Aktion keinen Arbeitgeber mehr finden wird. Ganz im Gegenteil: Hertha hat einen Nerv getroffen.