Wie ein Österreicher den Super Bowl holte

Ei, Ei, Ei

Heute Nacht gewann Tom Brady seinen sechsten Super-Bowl-Ring. Jetzt hat er zwar fünf mehr als Toni Fritsch, aber der hat außerdem das Double mit Rapid Wien geholt. 

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Vor etwas mehr als sieben Jahren versammelte sich eine sehr bunte Truppe in Wien-Floridsdorf. Bunt war sie zum einen, weil sehr viel Grün und Weiß zu sehen war. Und auch, weil sich Vertreter von zwei verwandten, aber doch sehr unterschiedlichen Sportarten eingefunden hatten. Zuerst hielt Rudolf Edlinger eine Rede, der Präsident des SK Rapid Wien. Dann sprach Michael Eschlböck vom American Football Bund Österreich. 

Schließlich musste, wie das bei solchen Anlässen unvermeidlich ist, auch noch ein Politiker die Stimmer erheben, in diesem Fall Heinz Lehner von der SPÖ, der Bezirksvorsteher von Floridsdorf. Und dann wurde unter dem Beifall von Fußballern von Rapid und American Footballern von den Danube Dragons ein Straßenschild enthüllt: Toni-Fritsch-Weg.

Toni Doppelpack

Der 2005 verstorbene Fritsch war auch als »Wembley-Toni« bekannt, weil er gleich in seinem ersten Länderspiel und an eben jenem Ort in die Fußballgeschichte seines Landes einging. Am 20. Oktober 1965 enteilte der flinke, kleine Außenstürmer gleich zweimal seinem Bewacher Nobby Stiles und traf doppelt. Österreich feierte an jenem Tag einen sensationellen 3:2-Sieg im Wembley-Stadion gegen ein englisches Team, das nur neun Monate später Weltmeister werden sollte. 

Eines der beiden Tore von Fritsch, ein fulminanter Distanzschuss mit seinem berühmten rechten Fuß, deutete vielleicht schon ein wenig an, welchen zweiten Karriereweg Toni einschlagen sollte. Denn als die Dallas Cowboys sechs Jahre später auf einer Europatour durch Wien kamen und erwähnten, dass sie nach einem Spezialisten suchten, der so eine Art ruhenden Ball weit und präzise treten konnte, empfahl Österreichs Nationaltrainer Leopold Stastny den Amerikanern den Star von Rapid: Fritsch. Der Fußballer hatte einiges von seiner Schnelligkeit eingebüßt, aber er wusste immer noch, wie man Wucht hinter einen Schuss bekam. 

   

Fritsch sprach kein Wort Englisch und hatte noch nie ein Football-Ei gesehen. Die Gäste aus Texas fuhren mit ihm in den 19. Bezirk, denn dort standen noch einige Football-Tore, die US-Soldaten in den 1950er Jahren errichtet hatten. Fritsch trat den Ball über die Querstange und unterschrieb noch an Ort und Stelle einen Vertrag. Der Österreicher war erfreut und auch bisschen amüsiert darüber, dass man ihm gutes Geld zahlte, um – wie er sagte – »einen komischen Sport auszuüben«.

»Er wusste einfach nur, wie man einen Ball tritt«

 

Doch er schlug sofort ein. Gleich in seinem ersten Spiel, im November 1971 gegen die St. Louis Cardinals, wurde Fritsch beim Stand von 13:13 zwei Minuten vor dem Ende auf den Rasen geschickt, um ein Field goal zu erzielen. Einer der Gegenspieler rief ihm zu »You choke, you choke!« – du wirst unter dem Druck versagen. Doch Fritsch konnte ihn ja nicht verstehen, also lief der Ex-Fußballer einfach an, trat den Ball durch die Stangen und holte die siegbringenden Punkte.

Etwas mehr als zwei Monate später, im Januar 1972, wurde er der erste – und bisher einzige – Österreicher, der den Super Bowl gewann, im Finale gegen die Miami Dolphins. Vier Jahre später stand er noch mal im Endspiel, doch da verloren die Cowboys. Als Fritsch seine zweite Karriere 1985 beendete, waren ihm 157 Field goals gelungen, darunter 13 am Stück in den Playoffs. Gil Brandt, der für die Personalentscheidungen der Cowboys verantwortlich war, sagte: »Von dem Tag, an dem er zu uns kam, war er einer der Jungs. Er hatte keine Ahnung von American Football, er wusste einfach nur, wie man einen Ball tritt.«