Wie ein Millwall-Fan bei den Londoner Terroranschlägen zum Helden wurde

»Fuck you, I’m Millwall«

Bei den Terrorangriffen in London wären möglicherweise noch mehr Menschen umgebracht worden. Wäre nicht dieser Millwall-Fan gewesen.

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Millwall-Fans haben nicht unbedingt den besten Ruf. In den Achtzigern erprügelte sich insbesondere die »Bushwhackers«-Hooligangruppe des Ostlondoner Arbeiterklubs weit über die Grenzen der englischen Hauptstadt hinaus den Ruf eines beinharten Schlägertrupps. Und auch wenn die ganz finsteren Hool-Zeiten vorbei sind, trifft man bei einem Besuch im »The Den« noch immer auf Jungs der Kategorie »Lieber nicht nachts begegnen«. 

Jungs wie Roy Larner. Dem 47-jährigen Larner, kurze graue Haare, muskulöser Körper, sieht man zwar an, dass auch seine wilden Tage bereits hinter ihm liegen, eine gewisse Kernigkeit ist ihm aber geblieben. Vor allem aber eine erstaunliche Reaktionsschnelligkeit und eine ordentliche Portion Mut. 

Denn Larner befand sich mit Freunden »auf vier, fünf Pints« im Black&Blue-Pub, der am Samstag von islamistischen Terroristen angegriffen wurde. Den Angreifern, die mit Messer auf die Gäste losgingen und im Laufe des Abends sieben Menschen töteten, stellte sich Larner kurzerhand entgegen. Ihre »Das ist für Allah«-Rufe konterte er mit einem »Fuck you, I’m Millwall«. 

In der darauffolgenden Auseinandersetzung bekam Larner acht Messerstiche ab. »Ich war alleine gegen alle drei. Ich versuchte, sie zu fassen zu kriegen und zu schlagen. Sie stachen mich in den Kopf, die Brust und in beide Hände. Überall war Blut«, sagte Larner der »Sun«. Dass er sich den Angreifern in den Weg stellte, ermöglichte den anderen Gästen die Flucht. Die Messerstiche und Schnittwunden, die er hinnehmen musste, waren glücklicherweise nicht lebensbedrohlich. Larner wurde operiert und liegt nun im Krankenhaus.

»Er würde einem Kampf nie aus dem Weg gehen.«

Seine 78-jährige Mutter zeigte sich gegenüber der Presse nicht eben überrascht von der Heldentat ihres Sohnes. »Um ehrlich zu sein, war ich nicht geschockt. Es ist ihm egal, wer sich ihm in den Weg stellt. Er würde einem Kampf nie aus dem Weg gehen.«

Dass das im Falle eines Terrorangriffs überaus mutig, allerdings auch sehr leichtsinnig ist, wissen natürlich auch Larners Freunde, die seine Geschichte via Facebook überhaupt erst bekannt machten, als sie ihn im Krankenhaus besuchten. Einer seiner Freunde hat eine Petition aufgesetzt, damit ihm das George Cross verliehen wird, die höchste englische Auszeichnung für Zivilisten. Ein kleines Geschenk hatten die Freunde übrigens auch dabei: Eine Sonderausgabe der Zeitschrift »Runners World« zum Thema »Learn how to run«.