Wie der BVB-Krimi fast die 11FREUNDE-Weihnachtsfeier gesprengt hätte

Bleiche Borussen

An einem denkwürdigen Champions-League-Abend qualifiziert sich Borussia Dortmund fürs Achtelfinale der Königsklasse – und strapaziert dabei zahlreiche Nerven auf der 11FREUNDE-Weihnachtsfeier.

Foto: Christoph Biermann

Wie wir wissen, ist es bei Borussia Dortmund um die sogenannte Mentalität nicht zum Besten bestellt. Das gilt durchaus auch für die Anhänger dieses Klubs, von denen es in der 11FREUNDE-Redaktion einige – manche sagen sogar: erschreckend viele – gibt. Und so schlichen sie im Vorfeld des letzten Vorrundenspieltags der Champions League und der Partie des BVB gegen Slavia Prag mit alpinaweißen, mutlosen Gesichtern über die Flure, und zwar spätestens, als ruchbar wurde, dass der ruhmreiche FC Barcelona beim Parallelspiel in Mailand ohne den leibhaftigen Messi und ein paar andere erwiesene Qualitätskicker antreten würde.

Denn das war ja die Crux an diesem vermaledeiten Spieltag: Nicht nur mussten sich die Dortmunder Freunde darauf verlassen, dass die eigene Mannschaft ihren Job präzise erledigte – heikel genug, wenn man den bisherigen Saisonverlauf Revue passieren ließ –, zudem mussten sie sich auf die Schützenhilfe eines Barca-Teams verlassen, das offenbar mit einer Mischung aus Aussortierten, B-Junioren und Fußlahmen antreten würde.

Garnelen oder Ziegenkäse als Zwischengang?

Als wäre das alles nicht schon schlimm genug, fanden die Spiele auch noch am Abend der Verlags-Weihnachtsfeier statt. Eine Gelegenheit, bei der normalerweise die Mitarbeiter zusammenkommen und im geselligen Ambiente die Höhen und Tiefen des abgelaufenen Jahres noch einmal Revue passieren lassen. Solch oberflächliches Menscheln aber war mit den Kollegen aus der Dortmund-Fraktion nicht zu machen. Während andere in den Tagen zuvor über existenzielle kulinarische Details sinnierten (Garnelen oder Ziegenkäse als Zwischengang?), trieb die bleiche Borussen-Front eine ganz andere Frage um: Reicht um Himmels Willen das verdammte W-Lan aus? Im Restaurant und, mehr noch, in dem für die Stunden danach angemieteten Partykeller.

Ein Weihnachtsessen wie dieses wäre noch vor wenigen Jahren nicht vorstellbar gewesen: Während manche in Kleingruppen plauschten, starrte mindestens die Hälfte der Belegschaft auf Smartphones, die sich im halben Dutzend über die beiden Tafeln verteilten. In der Tat berührte das Schicksal des BVB in diesem Moment nicht nur die Dortmund-Fans, sondern auch andere Mitarbeiter, und zwar aus verschiedenen Gründen, etwa dem, dass sie darauf hofften, später ihre Schadenfreude über die schwarz-gelben Loser auskübeln zu können. Einige essen, wenige reden, ganz viele starren auf winzige Bildschirme: Das Bild, dass die Redaktion in diesem Moment abgab, befremdete die anderen Gäste im Lokal, zumindest so lange, bis die begriffen hatten, dass es sich bei den seltsamen Gesellen um die Belegschaft eines Fußballmagazins handelte. »Verrückt!«, rief eine kompakte Mittvierzigerin mit betont pfiffiger Brille, als sich ihr der Zusammenhang erschloss.

Schwarz-Gelber Jubel im Partykeller

Immerhin war das W-Lan stabil, was man von der zweiten Halbzeit im bereits erwähnten, bunkerähnlichen Keller nicht sagen kann, für die gestressten Borussia-Freunde allerdings möglicherweise besser so war, weil manches, was dort über die Bildschirme flackerte, im zeitverzögerten Modus leichter verdaulich war. Doch auch so war zu erahnen, dass die Elf des BVB – Mentalität hin oder her – vor allem von einem erstklassigen Torwart und dem Papst in der Tasche profitierte. Ach ja, und selbstredend von einem FC Barcelona, dessen Aussortierte, B-Junioren und Fußlahme offenbar stärker sind als die Stammelf von Inter.

Wie auch immer, am Ende jubelten im Berliner Partykeller die Schwarz-Gelben, und die anderen sparten sich ihre Schadenfreude wenigstens dieses Mal gerne, man will ja kein Unmensch sein. Und übrigens: Es wurde dann doch noch eine Weihnachtsfeier im engeren Sinne.