Wie »Augsburg Calling« Fans zusammenbringt

»Die Hand ausstrecken«

Gerhard Seckler ist Augsburg-Fan und rief »Augsburg Calling« ins Leben, eine Aktion, bei der FCA-Fans Auswärtsfans einladen, gemeinsam Wochenenden zu verbringen, Partys zu feiern und Augsburg kennenzulernen. Wie kam es zu der Idee? 

imago images

Gerhard Seckler, vor elf Jahren haben Sie die Fanaktion »Augsburg Calling« gegründet, bei der Sie Auswärtsfans einladen, gemeinsam mit den Fans des FCA Wochenenden zu verbringen, Partys zu feiern und die Stadt Augsburg kennenzulernen. Wie kamen Sie auf die Idee?

Ich bin in einer Fußballerfamilie groß geworden. Mein Vater und Großvater waren Gründungsmitglieder des FSV Inningen, einem kleinen Stadtteilverein in Augsburg. Wenn der FSV damals Freundschaftsspiele gegen Südtiroler Mannschaften austrug, dann brachten die Gäste Tiroler Käse, Wein und Musikbands mit, alle haben gefeiert und getanzt. Schon als Kind habe ich erfahren, dass Fußball mehr als nur ein Spiel ist. Es ist ein Zusammentreffen von Menschen verschiedenster Regionen, aus dem Freundschaften entstehen können. So ist auch »Augsburg Calling« nichts anderes, als die Hand auszustrecken und zu sagen: Genießt die Zeit, die ihr hier mit uns verbringt.

Gab es eine Initialzündung Ihrer Fanaktion?

2006 war der FC Augsburg gerade in die zweite Liga aufgestiegen, als es am 4. Spieltag nach Unterhaching ging. Wir haben 1:0 gewonnen und standen nach dem Spiel mit ungefähr 150 Augsburgern an einer S-Bahn-Haltestelle. Gegenüber stand ein Mann mit zwei Mädchen, die etwa 12 bis 13 Jahre alt waren und Unterhaching-Trikots trugen. Plötzlich sangen ein paar Augsburger minutenlang in Richtung dieser Kinder „Scheiß Unterhaching“. Die Mädels fingen an zu weinen und ich habe mir gedacht: Das kann es nicht sein. Das ist ja so bescheuert, dass ich gar kein Fußballfan mehr sein will. Ich war damals mit einigen Leuten aus unserer Musikszene dort und wir haben sofort gesagt, dass wir uns entweder vom Fußball verabschieden, oder etwas gegen so einen Scheiß tun. Also haben wir angefangen, etwas zu tun.

Wie schwierig war es, »Augsburg Calling« an den Start zu bringen und die ersten Gästefans zu erreichen?

Zuerst war es sogar mit unseren eigenen Leuten schwierig und es dauerte, bis sie verstanden haben, dass wir das nicht zum Eigenzweck machen und nicht abkassieren wollen. Das Gegenteil war ja der Fall, denn wir haben oft genug kräftig draufgezahlt. Anfangs haben wir geglaubt, dass es relativ einfach möglich sein sollte, die Gästefans über die jeweiligen Fanbeauftragten der Vereine zu erreichen. Wir haben aber feststellen müssen, dass die meisten gar kein Interesse daran hatten, ihre Fans auf uns aufmerksam zu machen. Bei einem Verein, von dessen Außendarstellung ich es niemals vermutet hätte, bekam ich nur die Ansage, man würde keine Fremdveranstaltung promoten. 

Dennoch habt Ihr Euer Ding ans Rollen bekommen. Welche Clubs waren dabei gerade in der Anfangszeit eine wirkliche Unterstützung?

Union Berlin, Schalke, Dortmund, Bremen und Mönchengladbach. Die haben sofort geschnallt, dass es bei der Aktion um das Miteinander und den Dialog unter Fans geht, haben unser Anliegen an ihre Fans und Fanclubs weitergeleitet und bekannt gemacht. Weil die genannten Vereine traditionell auch immer viele Gäste mitbringen, wurde unsere Aktion bei diesen Auswärtsfahrern sehr schnell zum Selbstläufer und es haben sich über die Jahre auch tolle Freundschaften entwickelt. Auch die Zusammenarbeit mit dem FCA ist top. Dazu sind seit einigen Jahren die Stadt Augsburg und die Augsburger Touristik GmbH mit im Boot und unterstützen uns auch finanziell. Hilfreich war auch die DFL, von denen wir über drei Jahre von ihrem Projekt für innovative Fanaktionen Gelder bekommen haben. Nicht zu vergessen auch der 11FREUNDE-Preis für die beste Fanaktion des Jahres 2017, der uns viel Aufmerksamkeit gebracht hat.