Zu den Wettbetrugsvorwürfen gegen Schiedsrichter und die Rolle des DFB

Keine Beachtung schenken

Gehören Schiedsrichter der Fußball-Bundesliga zur Wettmafia? Eine Studie will Anzeichen dafür erkannt haben. Der DFB zaudert in seiner Stellungnahme. Warum?

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»Unsere Ergebnisse legen potenziell vorliegende Spielmanipulation und Korruption in der deutschen Bundesliga nahe«, schließen die Professoren aus Bielefeld, Pennsylvania und West Virginia ihre Studie zur Wettmanipulation im deutschen Fußball. Ein Satz mit enormer Sprengkraft, wenn er, wie in den letzten Tagen geschehen, von Medien und Akteuren noch zusätzlich aufgebauscht und vermarktet wird.

SKANDAL!

Der DFB weist diesen Vorwurf in einer Stellungnahme zurück: »Wie die Autoren der vorliegenden Studie selbst kommt auch Sportradar im Rahmen einer ersten Analyse zu dem Ergebnis, dass ein Verdacht auf Wettmanipulation durch die nun präsentierten Daten nicht belegt wird.«

Moment.

Aus dem »nahe legen« der Wissenschaftler wird ein »nicht belegt« durch den DFB? Das ist doch absurd. Das ist dreist. Der deutsche Fußball hat ein Wettproblem und der Verband nimmt die Vorwürfe nicht einmal ernst. Skandal, möchte man aufschreien. Nur um sich dann das Arbeitspapier der Forscher herunterzuladen, ausdrucken und festzustellen, dass der DFB nicht Unrecht hat. Er kommuniziert es nur falsch.

Die Besonderheit der Über-/unter-Wetten

Im Detail zeigt die Studie Indizien auf, dass sich Schiedsrichter an der Wettmanipulation von Bundesligaspielen beteiligt haben könnten. Laut der Auswertung genau drei Referees, die zwischen 2010 und 2015 gepfiffen haben. Dazu wurden 1251 Spiele, das sind 81 Prozent aller Bundesligaspiele in diesem Zeitraum, analysiert und mit dem Wetteinsatzvolumen eines einzigen Wettanbieters verglichen. Weitere Wettbüros, die vor allem im asiatischen Raum interessant wären, wurden nicht einbezogen,

Beobachtet wurden dazu nur die sogenannten Über-/unter-Wetten, die die Gesamtzahl der erzielten Tore zählen. Es ist nicht entscheidend, auf welcher Seite die Tore fallen, welche Mannschaft die Tore erzielt oder wie das Endergebnis lautet. Es stellt sich nur die Frage: Fallen heute mehr als 2,5 Tore? Eine beliebte Wette für Manipulation, die anschließend viel schwieriger nachzuweisen ist.

Die Gleichung

Die mathematische Gleichung der Forscher liest sich wie folgt: VOLijrws = αhHTi + αvVTj + αwMWw + αsSEASs+ γrREFr + βXijrws + eijrws

Verkürzt erklärt: Die Variable »VOLijrws« auf der linken Seite der Gleichung steht für den Gesamteinsatz einer Wette. Die unbekannte Variable »γrREFr« soll den Einfluss der Schiedsrichter darstellen. Darüber hinaus haben die Forscher andere Einflüsse errechnet, wie beispielsweise die Mannschaftspopularität, Kaderzusammenstellung oder die Fans von Heim- und Auswärtsmannschaft. Es ergibt sich eine nicht nachvollziehbare und subjektive Rechnung. Nicht die besten Charakteristika für eine wissenschaftliche Arbeit.