Warum Hannover 96 sein eigenes Testspiel nicht zeigte

GEMA woanders gucken

Eigentlich wollte Hannover 96 sein Testspiel am Wochenende via YouTube übertragen. Doch die Fans sahen nur einen schwarzen Bildschirm - aufgrund eines winzigen Details.

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»1362 Bob« sollte man sich als glücklichen Menschen vorstellen. Nicht nur, dass sich der YouTube-Nutzer einen sicherlich heißbegehrten User-Namen frühzeitig gesichert hatte, er hält auch den Rekord für den meistgelikten Kommentar unter einem YouTube-Video. Denn das großartige Musikvideo von Totos »Africa« verleitete »1362 Bob« zu der Äußerung: »Verdammt, ich kann nicht glauben, dass sie einen ganzen Kontinent nach diesem Song benannt haben.« Über 138.000 andere Nutzer fanden das lustig - Glückwunsch.

Nun gäbe es auch bei Hannover 96 ausreichend Grundlage, um den einen oder anderen Gag in die Kommentarzeilen zu tippen. Schließlich präsentiert der Absteiger auf seinem YouTube-Kanal täglich Interviews, Pressekonferenzen und Trainingsspielchen. Allein: Die Like-Raten zum Livevideo des Testspiels gegen den russischen Erstligisten FK Rostov dürften in nächster Zeit nicht mehr steigen. YouTube hat den Stream gesperrt - aus Gründen des Urheberschutzes.

Alles Schwarz

Denn als die Fans der Niedersachsen das Spiel aus der Ferne verfolgen wollten, sahen sie kurz vor dem Anpfiff: Nichts. Die Seitenbetreiber hatten den Stream urplötzlich gesperrt. Nicht weil die Rechte für die Übertragung fehlten, sondern aufgrund eines einzigen winzigen Details. Im Vorfeld war am Sportplatz im österreichischen Stegersbach Musik gespielt geworden, deren Abspielen im Internet gegen die Abgabeordnung der GEMA-Richtlinien sprach. Im Hintergrund waren die Akkorde zu vernehmen. Und so wurde der Stream automatisch vom Netz genommen.

In den sozialen Netzwerken machte sich schnell Überraschung breit. Viele meldeten, dass Ton und/oder Bild nicht funktionierten. Nach kurzer Zeit informierte auch der Verein, dass das Video aufgrund GEMA-pflichtiger Musik nicht abgespielt werden könne.

Der Filter lässt nichts durch

Hannover 96 nutzte anschließend Facebook, um den Daheimgebliebenen einen Eindruck vom Testspiel zu vermitteln. Durch Tore von Hendrik Weydandt und Florent Muslija gewann der Zweitligist mit 2:1. Für mehr Aufsehen dürfte aber eben die, durchaus zweifelhafte, Sperrung des Streams durch den Uploadfilter gesorgt haben. Nur drei Monate nach der Abstimmung im Europäischen Parlament zu Artikel 13 zeigt die Google-Tochter »YouTube«, dass der Filter noch immer keine Ausnahmen zulässt. Nicht auszudenken, was erst passiert, wenn Hannover gegen ein Team aus »Africa« testet.