Warum es diesmal klappen könnte für Peter Bosz

Bei Anruf Leverkusen

Heute gibt Peter Bosz sein Trainercomeback in der Bundesliga. Zeit, einen Blick in seine Zukunft zu werfen.

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Versucht hatte man es bei Bayer Leverkusen schon ein Mal, doch erst jetzt hat es geklappt: Bereits vor seinem Wechsel zu Borussia Dortmund 2017 zeigte Bayer Interesse daran, Peter Bosz an den Rhein zu lotsen. Der BVB stellte damals für den Niederländer jedoch die attraktivere Option dar. Aufgrund der ungenügenden Resultate kam es nur zu einer kurzen Liaison mit der Bundesliga, welche nun unter dem Bayer-Kreuz in die zweite Runde geht. Peter Bosz weiß dabei genau was von ihm gefordert wird. Sein Offensivfußball soll die Werkself, welche die komplette Hinrunde ihrer Form und den Ansprüchen der Fans und des Vorstands hinterherlief, in die Europacup-Ränge bringen und den Verbleib in der Europa League und dem DFB-Pokal sichern. Drei Gründe warum es für Peter Bosz in Leverkusen besser laufen wird als im Ruhrpott.

1. Der Zeitpunkt

Der Holländer übernahm Borussia Dortmund zur Sommerpause nach der Saison 2016/17 von Thomas Tuchel. Beendet hatte der Revierklub die damalige Spielzeit mit einem dritten Platz in der Liga und mit dem DFB-Pokalsieg. Die Erwartungen an Peter Bosz waren damals, wie jetzt auch, also hoch. Unzufrieden mit dem 9. Platz in der Liga, soll der neue Trainer die Kehrtwende am Rhein einleiten.

Der Zeitpunkt liegt jedenfalls günstig, da zumindest die Ergebnisse unter Herrlich zum Jahresende wieder stimmten. Kompakt spielen lautet jetzt die Devise von Bosz. Auch wenn dieses Mal die Vorbereitungszeit deutlich kürzer ist als in Dortmund, sind die Ziele die gleichen. In den Testspielen fernab vom Druck der Pflichtspiele konnte Bayer das bereits proben, was zum Rückrundenstart gegen Gladbach zu drei wichtige Punkten und den ersten Schritten in Richtung Europa führen soll. Die Ergebnisse stimmen positiv: Gegen Twente Enschede (4:0), Zwolle (3:1) und Münster (4:2) hagelte es Tore. Die Gegentore im Test gegen den Drittligisten sollten nicht allzu skeptisch stimmen, schließlich stellte Bosz eine Elf auf (unter anderem mit den Nachwuchsspielern Jakub Bednarczyk und Sam Schreck), die so sicherlich nicht in der Bundesliga spielen wird.

2. Attraktiver Offensivfußball

Dass der Niederländer einen Plan von attraktivem Offensivfußball besitzt, war bereits bei seinen vorherigen Stationen in Dortmund und Amsterdam zu beobachten. In Dortmund fehlte es jedoch an der defensiven Stabilität, was durch eine überalterte und verletzte Verteidigung, Unruhen innerhalb der Mannschaft und dem Anschlag auf den Mannschaftsbus des BVB vor dem Champions-League-Spiel gegen AS Monaco zum Aus von Peter Bosz führte.

Die fehlende Balance zwischen Angriff und Verteidigung will Bosz bei Leverkusen nicht aufkommen lassen. Die Fehler, die er in Dortmund gemacht habe, wolle er in Leverkusen vermeiden, erklärte er im Mediencenter der BayArena. Neue Erfahrungswerte und eine Mannschaft, die laut Vorstand ausgezeichnet zur Spielweise des Niederländers passt, welche zuvor schon in ähnlicher Art und Weise unter Roger Schmidt propagiert wurde, sollen das Erfolgsrezept für eine erfolgreiche Rückrunde des Werksklub sein. Durch die Erfahrungswerte aus Dortmund und ein breiteres Wissen über die Bundesliga, muss sich Peter Bosz nun beweisen und kann somit zeigen, ob das Beharren auf dem offensiven 4-3-3 gerechtfertigt ist oder nicht. Und während er in Dortmund als gefeierter Ajax-Coach präsentiert wurde, trainiert er in Leverkusen quasi auf Bewährung. Bosz muss und wird liefern wollen, um sich seinen Ruf durch ein abermaliges Scheitern nicht zu ruinieren. Gut vorstellbar, dass er gerade auch deshalb seine in Dortmund zuweilen als zu dogmatisch angesehene Herangehensweise überdenkt.

3. Junge Spieler

Bereits in den Niederladen war Peter Bosz mit Ajax sehr erfolgreich unterwegs. Edwin van der Sar kommentierte damals die Verpflichtung von Bosz wie folgt: »Einen Trainer, der unsere talentreiche Auswahl noch besser machen kann.« Womit er Recht behalten sollte. In der Saison 16/17 brachte er das damals junge Team bis zur Vizemeisterschaft und ins Finale der Europa-League, wo sich Ajax letztendlich nur der mit Weltstars gespickten Mannschaft von Manchester United und José Mourinho beugen musste. Dolberg, Bertrand Traoré, Pulisic und Philipp heißen nur einige der Jungspunde, die unter Bosz brillierten.

Die Entwicklung, die diese Spieler unter ihrem Trainer machten, sorgt auch in Leverkusen für Vorfreude. So können nun auch Spieler wie Bailey, Havertz oder Brandt eine neue Konstanz entwickeln, was ihnen zuletzt unter Herrlich nicht gelang. Vor allem Bailey könnte vom Trainerwechsel profitieren. Der Jamaikaner soll zukünftig als Rechtsaußen agieren und spielte bereits in den Testspielen gelöster als in der kompletten Hinrunde. Und auch bei Bailey gilt: Schlechter kann es eigentlich nicht laufen. Zudem könne man sehr viel von ihm lernen, sagte Dortmunds Maximilian Philipp einst über seinen ehemaligen Trainer. Bleibt zu hoffen, dass das demnächst auch die Abwehrspieler unter dem Bayerkreuz sagen können.