Verdächtiger Gegenstand in Lyon

Und plötzlich: Alarm!

Vor dem Spiel Belgien gegen Italien wird es vor dem Stadion hektisch. Die Polizei findet einen verdächtigen Gegenstand – direkt neben einem Treffpunkt der Belgier.

Christoph Küppers

Die belgischen Fans stehen keinen Kilometer vom »Stade des Lumieres« entfernt und feiern ausgelassen. An einer Handvoll provisorisch zu Biergärten umgebauten Verkaufs-Buden liegen sie sich in den Armen, dazwischen immer wieder kleinere Grüppchen Italiener. Seit Stunden strömt das Bier aus den Zapfhähnen, aus den Kehlen schallt ein Gassenhauer nach dem nächsten.

Die Szenerie in Lyon ist nach den Vorfällen in Marseille und Nizza vom Wochenende eine Oase für echte Fußballfans. So muss es sein.

Und doch endet die Fußball-Idylle von einem Moment auf den anderen. Polizei zieht auf, riegelt den Bereich ab. Die Gesänge verstummen, einige Fans weichen zurück, andere zücken ihr Handy. Der Grund für den abrupten Stimmungswechsel: der Fund eines verdächtigen Gegenstandes direkt neben der feiernden Fan-Meute.

Plötzlich Alarm.

Die Lage wird kurz unübersichtlich: Fans eilen hin und her, telefonieren mit Freunden, Polizisten mit Maschinengewehren im Anschlag schicken sie erst einmal zur Seite. Die Sicherheitskräfte wirken nicht überfordert, aber angespannt. Angesprochen auf die Situation sagt ein Polizist nur: »Wir haben einen verdächtigen Gegenstand gefunden. Das kann alles sein. Und jetzt bitte zurück!«

Ein Kleinbus des Kampfmittelräumdienstes fährt vor

Der Beobachter merkt, dass die Angst nach Terror-Attentaten und Hooligan-Attacken mitschwingt. Die französische Sicherheits-Seele ist angegriffen. Da ist es fast schon beruhigend, dass die belgischen Fans nicht in Panik verfallen. Sie schauen dem Treiben aus der Entfernung zu, der eine oder andere besonders Lustige kommentiert den Polizei-Einsatz mit einem kurzen Fangesang oder einem Klatschen.

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Ein Kleinbus des Kampfmittelräumdienstes fährt vor. Daraus steigt ein Polizist in raumfahrerähnlicher Montur, der langsam in Richtung des verdächtigen Gegenstandes tapert. Eine Szene wie aus einem Hollywood-Streifen, wäre da nicht dieses mulmige Gefühl. Der Mann untersucht das Paket und führt eine Kamera ins Innere.

Polizisten und Fans atmen gemeinsam durch

Nach fünf langen Minuten kommt er zurück. Daumen hoch, alles sicher. Für einen Moment wirkt es so, als würden Polizisten und Fans gemeinsam durchatmen. Dann ist alles auch wieder vorbei.

Innerhalb von zwei weiteren Minuten löst die Polizei die Absperrungen wieder auf und lässt die Fans wieder in Richtung Stadion gehen. Von Überforderung oder Gereiztheit der Sicherheitskräfte ist wenig zu merken, ganz im Gegenteil: Die Polizei verhält sich vorbildlich und strahlt damit Sicherheit aus.

Eine Sicherheit, die die Fan-Seele nach den Vorfällen in Marseille und der Angst vor Terrorangriffen gut gebrauchen kann.