Über den famosen Auftritt von Mesut Özil gegen Leicester City

Der einfachste Sport der Welt

Im Weltfußball gibt es auf allerhöchstem Niveau zehn, vielleicht 15 Spieler, die im Kopf schneller sind als der Rest und die ihren Gedanken auch durch technische Überlegenheit, die nötige Schnelligkeit oder die schiere Kraft ihrer Muskeln Taten folgen lassen können. Mbappé, Neymar, Messi, Ronaldo, Griezmann, Hazard, Bale, vielleicht bald Leroy Sané oder Ousmane Dembélé. All diese Spieler haben eines gemeinsam: Sie spielen hochgradig spektakulär. Mesut Özil ist anders.

Selten liefert er Spiele ab wie gestern, in denen sein Können so offensichtlich zum Vorschein kommt, selten lassen seine Statistiken Fans mit heruntergeklappter Kinnlade zurück. Weil – und da ist der große Unterschied zu den oben genannten – Mesut Özil andere Spieler in den Vordergrund spielt, selten sich selber. Er knallt nicht alle zwei Wochen Bälle in den Winkel, seine Vorlagen spielt er so, wie sie am meisten Sinn ergeben, nicht so, wie sie bei YouTube für die meisten Klicks sorgen würden.

Er ist darauf angewiesen, dass geniale Schnittstellenpässe – wie der vor dem 2:1 gegen Leicester – am Ende auch ordentlich zu Ende gespielt werden. Um statistisch in die Weltspitze vorzudringen, müssen seine Mitspieler die Vorlagen verwerten. Weshalb er in Madrid, mit einem Cristiano Ronaldo als Verwerter, eben auch regelmäßig 20 Tore pro Saison direkt auflegte. Mit Olivier Giroud oder Danny Welbeck in der Spitze war das lange Zeit bedeutend schwerer. 

Der einfachste Sport der Welt

In diesem Jahr wirkt es so, als gebe es bei Arsenal nach zähen Jahren endlich wieder das richtige Umfeld für einen, der mit Kleinigkeiten und scheinbar beiläufigen Aktionen so große Momente herbeiführen kann. Der neue Trainer kommt an, Lacazette und Aubameyang garantieren Torgefahr, die Laufwege stimmen plötzlich. Gut für Özil. Denn kein Spieler (vielleicht abgesehen von Kevin de Bruyne) hat ein vergleichbares Gespür für Räume und Tempo, keiner entscheidet so selten falsch. Vergleicht man Mesut Özil mit seinem Teamkollegen Henrich Mchitarjan, einem ebenfalls hochveranlagtem Spielmacher, sticht diese Qualität noch deutlicher ins Auge.

Mchitarjan spielt seine Pässe mal traumhaft schön zum Mitspieler, mal aber auch in deren Rücken oder mit viel zu viel Kraft in den Raum. Mesut Özil spielt sie genau richtig. Immer. Wenn, so wie derzeit bei Arsenal, die Kollegen mitziehen, dann möchte man, wie gestern Iwobi, vor Glück in die Luft springen. Weil Özil, oft als Schleicher verschrien und für seine Körpersprache kritisiert, eines ganz deutlich auf den Platz bringt: Fußball kann, wenn man es denn als Mannschaftssport versteht, der einfachste Sport der Welt sein. Und ist genau deshalb, an Abenden wie gestern, der schönste der Welt.