Über das Rassismus-Problem im Amateurfußball

Rassismus, Platzverweis, Spielabbruch

In Mecklenburg-Vorpommern bricht ein Amateurteam sein Spiel aufgrund rassistischer Beleidigungen ab. Nun streiten sich – wie so häufig – die Beteiligten. Das Problem gerät dabei mehr und mehr aus dem Blick.

Philipp S.

Manchmal treibt der Zufall kuriose Blüten. Eigentlich wollte der NDR am vergangenen Samstag in Schwerin einen Bericht über zunehmende Attacken auf Schiedsrichter im Amateurfußball drehen. Dazu begleitete ein Kamerateam den jungen Nachwuchs-Referee Marvin Tennes beim Landesliga-Spiel in der mecklenburg-vorpommerschen Landeshauptstadt Schwerin zwischen der heimischen SG Dynamo und der zweiten Mannschaft des FC Anker Wismar. Schließlich aber betitelt der Sender seinen Beitrag mit folgender Schlagzeile: »Rassismus? Amateurfußballer brechen Spiel ab«.

Auch Philipp S. hat nicht vorhergesehen, was er am Samstag im altehrwürdigen Sportpark Paulshöhe erleben würde. Immerhin 30 Jahre lang gab es hier zu DDR-Zeiten zweitklassigen Fußball zu sehen, nun soll das Stadion bald einem Immobilienprojekt weichen. Grund genug für Groundhopper Philipp, das Areal noch rechtzeitig zu »kreuzen«, wie er sagt.

»Beide spielten nicht besonders auffällig – aber sie waren dunkelhäutig«

Als Philipp am Samstagabend nach Hause kommt, ist er noch immer derart empört über das, was er in Schwerin beobachten durfte, dass er sich mit dem »Zeitspiel-Magazin« in Verbindung setzt. Dieses veröffentlicht am Sonntag seine detaillierte Schilderung der Ereignisse. Im Gespräch mit 11FREUNDE fasst Philipp noch einmal zusammen: »Während des Spiels wurden zwei Wismar-Spieler immer wieder von den Zuschauern angegangen. Das ist ja oft ganz normal im Amateurfußball. Beide spielten nicht besonders auffällig – aber sie waren dunkelhäutig.«

Als Kamara Abu Bakarr, einer der beiden Spieler, ein laut Philipp eher harmloses Foul nahe der Seitenlinie beging, geschah es: »Ich habe gehört, wie ein Zuschauer ›Scheiß Nigger‹ gerufen hat. Abu Bakarr hat ihn daraufhin mit dem Ball abgeworfen. Klar, das ist eine rote Karte.« Ebenezer Miah, der zweite von den fortwährenden Anfeindungen betroffene Spieler, sei daraufhin ebenfalls wütend geworden und in die Auseinandersetzung mit den Zuschauern geraten. Vom Schiedsrichter kassierte er dafür ebenfalls einen Platzverweis.