Trainer-Beben in Italien

Wie Conte das passieren?

Juve-Ikone Antonio Conte unterschreibt bei Inter, Napolis ehemaliger Coach Maurizio Sarri soll zur verhassten »Alten Dame«. Und Milan? Trauert jetzt schon Gennaro Gattuso hinterher. Macht alles keinen Sinn? Aber doch!

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Wenn es gegen Juventus Turin geht, sind sich die Fans der Klubs aus Neapel, Mailand, Rom und Florenz ganz schnell einig: »E anche quest'anno la Champions la vincete l'anno prossimo«, tönt es dann im Netz und aus gefühlt allen Ecken Italiens, die es nicht mit dem Rekordmeister halten. Auf Deutsch heißt das so viel wie: »Und auch dieses Jahr gewinnt ihr nächstes Jahr die Champions League.«

Die Juve-Fans kontern meist mit einer entsprechenden Napoli-, Inter- und Milan-Variante. Nur mit dem Unterschied, dass sie sich dann auf den »Scudetto«  beziehen, den italienischen Meisteritel, oder auf die Champions-League-Qualifikation. Je nachdem, wer gerade welches Ziel verpasst hat.

Das Gesetz des FC Bayern

Und verpasst haben die Top-Teams der Serie A in der abgelaufenen Spielzeit offensichtlich eine ganze Menge. Der SSC Neapel, die beiden Mailänder Vereine und der AS Rom hatten in Hinblick auf die Meisterschaft schon früh das Nachsehen. Aber auch die Juve-Anhänger wurden trotz des achten Meistertitels in Folge und des Transfers von Cristiano Ronaldo nicht wirklich glücklich.

Seit 1996 wartet man in Turin auf die erneute Krönung in der »Königsklasse«. Ähnlich wie beim deutschen Serienmeister aus München hat sich das Selbstverständnis eingeschlichen: Ohne Henkelpott ist so eine Saison nichts wert. Diesem offiziell natürlich nie formulierten Gesetz musste sich vor kurzem auch Massimiliano Allegri beugen. Nach fünf Meisterschaften, vier Pokalsiegen und zwei Supercups in fünf Jahren geht es für den 51-Jährigen Coach nicht mehr weiter im Piemont.

Gut ist nicht mehr gut genug

Auch bei AC und Inter Mailand, den beiden Vereinen mit den meisten Titeln in Italien nach Juve, war gut zuletzt nicht mehr gut genug. Inter-Trainer Luciano Spalletti, dem nachgesagt wurde, mehrere Spiele mit taktischen Fehlgriffen vercoacht zu haben, musste sein Arbeitszimmer beim Triplesieger von 2010 räumen – trotz eines vierten Platzes mit immerhin 69 Punkten. Nur einen Punkt weniger holte Lokalrivale AC. Doch was bei Juventus (90 Punkte) eine nicht gewonnene Champions League ist, ist bei den Rossoneri die verpasste Qualifikation dazu. Deshalb war auch für Fanliebling und Identifikationsfigur Gennaro Gattuso nach 18 Monaten als Trainer in Milanello einvernehmlich Schluss.