Mainz‘ Stadionsprecher Klaus Hafner hört auf

»Verrückter Typ, so wie ich«

Nach 30 Jahren beendet Klaus Hafner seine Karriere als Stadionsprecher von Mainz 05 mit dem Heimspiel gegen Hoffenheim. Wir haben mit ihm über Trümmerbrüche, Jürgen Klopp und seine Zukunft als erster Haupttribünen-Capo Deutschlands gesprochen.

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Herr Hafner, das heutige Heimspiel gegen Hoffenheim ist Ihr letztes als Mainzer Stadionsprecher. Wird Ihnen Samstagnachmittag zukünftig langweilig sein?

Auf gar keinen Fall. Auch wenn ich nach 30 Jahren als Stadionsprecher von Mainz 05 aufhöre, bleibe ich ja Fan des Vereins und werde nach wie vor bei jedem Heimspiel im Stadion sein. Nur eben nicht am Spielfeldrand, sondern auf der Tribüne.

So ein verdienter Mitarbeiter des Vereins wie Sie bekommt doch bestimmt eine Ehrenloge.

Die brauche ich gar nicht. Viel schöner wäre es, wenn ich als Vorsänger auf der Haupttribüne sein könnte, damit wir da mal richtig einen losmachen. Quasi der erste Haupttribünen-Capo Deutschlands.

Bevor wir zu weit in die Zukunft schauen, fangen wir doch mal von vorne an. Wie wird man Stadionsprecher bei Mainz 05? 

Das war ziemlich kurios: Ich war damals Jugendkoordinator und -trainer. Dienstagmorgens rief mich der ehemalige Präsident Harald Strutz an und sagte: »Du bist am Sonntag Stadionsprecher«. Da habe ich gefragt: »Wieso denn das?« Und er sagte nur: »Der alte hat sein Amt niedergelegt, also machst du das.« Ich dachte, der macht Blödsinn. Donnerstags rief er aber wieder an, sagte nur: »Denk dran! Sonntag ist Heimspiel, du bist Stadionsprecher«, und legte auf. Als ich ihn zurückrufen wollte, ist er nicht drangegangen. Also bin ich sonntags hin, hab den Sprecher gegeben und bin es 30 Jahre lang geblieben.

Sie haben den Klub von der Oberliga bis in die Bundesliga begleitet. Was sind Ihre schönsten Erinnerungen aus drei Jahrzehnten Mainz 05?

Mit Sicherheit die Aufstiege in die erste Bundesliga. Oder das Spiel zu 100 Jahre Mainz 05 gegen Schalke 04 mit dieser einzigartigen Choreographie. Und eine witzige Geschichte gibt es noch.

Erzählen Sie.

Bei Mainz 05 ist es ja üblich, dass die Gästefans ihre Mannschaftsaufstellung wie im eigenen Stadion rufen. Einmal haben wir im Bruchwegstadion gegen Paderborn gespielt, aber die haben nur 26 Fans mitgebracht. Die wollte ich nicht blamieren, als mir die rettende Idee kam: Ich werde einen von den Auswärtsfans aus dem Block auf den Rasen holen und der macht das. Udo hat dann die Mannschaftsaufstellung gemacht und jedes Mal, wenn er den Vornamen eines Paderborner Spielers gesagt hat, haben unsere Fans »Udo!« gerufen. Der hatte so viel Spaß, dass er gar nicht mehr in den Block zurückwollte. Vor ein paar Jahren rief mich dann kurz vor Anpfiff ein Ordner an und sagte: »Hier steht ein Udo und der will zu dir.« Das war einmalig, sensationell. Gastfreundschaft zahlt sich eben aus.

Diese Gastfreundschaft haben Sie eingeführt. Kam die Idee mit der gegnerischen Mannschaftsaufstellung bei den eigenen Fans gleich gut an?

Am Anfang nicht. Aber ich habe gesagt, wir probieren das eine Saison und wenn es nicht klappt, ist es mein Fehler und wir lassen es bleiben. Doch das Gegenteil war der Fall und mein Nachfolger wird diese Tradition fortsetzen.

Wie war insgesamt das Verhältnis zu den Fans?

Es gibt natürlich auch welche, die mich nicht mögen. Aber es ist auch nicht meine Aufgabe, dass mich alle lieb haben. Ich habe sie immer darin gesehen, Mainz 05 nach außen hin zu repräsentieren, als zwölfter Mann stellvertretend für alle Fans, die Mannschaftsaufstellung zu präsentieren und die Fans zu informieren. Aber wenn sie Wünsche hatten, habe ich immer versucht, die umzusetzen.