Immer noch da: Spaniens Oldie Joaquin

Ein Mann für eine Epoche

Am Wochenende erzielte Joaquin den ersten Hattrick seiner Karriere. Und weil der Spanier nicht mehr der Jüngste ist, stellte er damit auch gleich einen Uralt-Rekord ein. Über einen, den man im Fußball immer seltener findet. 

imago images

Als der ewige Joaquin am Sonntagnachmittag den Rasen des Estadio Benito Villamarín verließ, hatte er sich ein weiteres mal in die Herzen der Betis-Fans gespielt. In den Minuten zuvor hatte der Spanier eine Darbietung geliefert, die weniger an einen 38-Jährigen als an einen 25-Jährigen erinnerte. Denn die Tore Joaquins gegen Athletic Bilbao waren weder Abstaubertore noch geschenkte Elfmeter. Der Spanier erzielte sein letztes Tor dieses Nachmittags im Vollsprint, nachdem er in einer Kontersituation energisch in den Strafraum Athletic Bilbaos gelaufen war, um wenige Sekunden später den Ball von Loren Moron direkt ins lange Eck des Gegners zu schlenzen. Exemplarisch für den Nachmittag Joaquins und seine Tore: Eine Mischung aus harter Arbeit und allseits bekanntem Können.

Der Mann, der eigentlich längst seine letzten großen Spiele bestritten und die Tore seiner Karriere erzielt haben wollte, stellte damit den Rekord eines ganz Großen ein. Der 37-jährige Alfredo di Stefano hatte 1964 beim Spiel zwischen Real Madrid und Real Murcia einen Hattrick erzielt und seitdem den Rekord des ältesten Hattrick-Torschützen in La Liga gehalten.

Die letzte Saison?

»Das war der erste Hattrick meines Lebens, und ich glaube, das wird sich auch nicht nochmal wiederholen«, hielt der frisch gekürte Rekordhalter fest, ohne bei all der Freude nicht auch ein wenig Wehmut durchblicken zu lassen. Denn der Gedanke an den Abschied von den Plätzen La Ligas dürfte den Spanier wie bereits in den vergangenen Jahren auch gegen Ende der laufenden Saison umtreiben. Wie schwer er sich dabei tun könnte, lässt auch die Antwort auf die Frage erahnen, welche Bedeutung die Duelle in den Fußballtempeln Spaniens wie dem Camp Nou für ihn haben: »Hombre. Das ist eine der Kathedralen des Fußballs. Ich hätte wahrscheinlich noch Lust dort zu spielen, wenn ich ein alter Mann bin.« Das er letzteres nicht ist, bewies er am Sonntagnachmittag eindrucksvoll.

Im vergangenen Sommer stand dem Kader Real Betis ein großer Umbruch bevor. Mit den Abgängen von Giovanni Lo Celso, Pau Lopez und Junior Firpo verlor man gleich drei Leistungsträger. Doch weil sich damit auch die Kassen in Sevilla füllten, schlug man auf dem Transfermarkt in ungewohnten Preissegmenten zu. Und so wurde Borja Iglesias für fast 30 Millionen von Espanyol ins Estadio Benito Villamarín gelockt. Für den Transfer von Nabil Fekir, der sich nur wenige Monate zuvor mit dem FC Liverpool einig schien, wurden die Vereinsbosse gefeiert. Fekir, Iglesias und der im Winter verpflichtete Diego Lainez sollten die Offensive auf ein neues Niveau und in eine neue Epoche hieven.