Immer da, wo's brennt

»Wir müssen alle sterben!«

Beide Male wusste Dante nicht zu verhindern, was über seine Mannschaften hereinbrach, zumal das Unfassbare nur auf der Basis kollektiven Versagens geschehen konnte: Brasilien war schon bei der Nationalhymne unter der Last der eigenen Vaterlandsgefühle zusammengebrochen, Wolfsburg dachte nach der 1:0-Halbzeitführung offenbar, man könnte den FC Bayern ja mal düpieren. Dass man das nicht kann und besser auch gar nicht erst probieren sollte, weiß kein Wolfsburger besser als Dante, ist er doch erst kürzlich aus München gekommen. Womöglich hatte er seine neuen Kollegen noch gewarnt und haben die seine Warnungen nicht ernst genommen, weil er immer so fröhlich aussieht. Glaubt man jemandem, der ruft »Wir müssen alle sterben!« – und dabei so wunderbar sympathisch lächelt? Es ist tragisch.



Dass er beide Male auch noch eine enge Verbindung zum Gegner hatte, einmal als bajuwarisierter Brasilianer, einmal als Exil-Bayer, macht die Sache nicht leichter für ihn. Ein dickes »Ausgerechnet« prangt nun über seiner Spielerbiografie. Zugleich vertiefte diese Verbindung die epische Dimension des Sieges: Weil man nicht nur hohl vor sich hinjubelte, sondern mit ihm fühlte, wie tief der Schmerz der Niederlage sein musste. Dante ist jetzt der wahrscheinlich traurigste Sunnyboy aller Zeiten: Er weint, aber er kann gleichzeitig nicht aufhören zu lächeln und immer wieder »Joga Bonito« zu sagen. Er war auf diese Duplizität der Ereignisse kulturell und emotional einfach nicht vorbereitet.

»Wenn du doch nichts ändern kannst, weil schon alles passiert ist, lässt du am besten Fünfe gerade sein«, so der Rat einer Psychologin an James Cole. Fünfe gerade sein lassen: Das ist nach dem Spiel gestern Abend wohl auch der einzig mögliche Trost für Dante, den Mann der durch die Geschichte der Niederlagen reiste. 

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