Hofmanns Weg zum besten Achter der Liga

Hecking tut das Unglaubliche

Flexibilität konnte man ihm nie absprechen. Nur in seinem Fall schien sie zu bedeuten: »Kann alles, aber nichts richtig.« 2016/2017 spielte Hofmann in 21 Bundesligaspielen für Gladbach auf sieben verschiedenen Positionen. Als Flügelspieler mit Abschlussschwäche und Spielgestalter ohne Wow-Effekt wurde er zum Sinnbild für Gladbacher Stagnation unter Dieter Hecking.

Bis Hecking im Sommer das Unglaubliche tat und sein stoisches 4-4-2, an dem er in der Vergangenheit gefühlt eiserner festgehalten hatte als an seiner Ehefrau, gegen ein 4-3-3 austauschte. Seitdem spielt Jonas Hofmann auf der Acht. Und wirkt seit Saisonbeginn wie befreit von den Zwängen der anderen Positionen und den ständigen Wechseln zwischen ihnen. Als Achter kann er sich darauf beschränken, was er am besten kann: hart arbeiten, nicht auffallen. »Jonas blüht gerade richtig auf«, sagte Hecking nach dem Mainz-Spiel. »Wie er sich bewegt, wie er vorne den Ball jagt. Aber dann auch die Ruhe hat, mal auf den Ball zu treten und den besser postierten Mitspieler mitzunehmen. Das ist eine richtig gute Qualität, die er auf den Platz bringt.«

Zweieinhalb Jahre ohne Tor

In sieben Bundesligaspielen ist Hofmann durchschnittlich 13 Kilometer gelaufen. Er hat regelmäßig die meisten Ballaktionen im Gladbacher Spiel, erzwingt viele Ballverluste des Gegners und bedient mit einfachen, aber effizienten Pässen seine Vorderleute. »Auf der Acht ist man immer am Spiel beteiligt, ist immer involviert«, sagt Hofmann. »Das brauche ich, das macht Spaß.« Mittendrin, statt nur dabei. Als Achter genießt Hofmann die Freiheiten, die er braucht. Auch die von den Erwartungen.

»Jonas hat eine schwierige Phase in seiner Karriere schon hinter sich«, sagt Hecking. »Jetzt ist das Selbstvertrauen da, die Ruhe vor dem Tor, die ihm vielleicht zuvor gefehlt hat.« Er selbst sei zwar von Anfang an von Hofmanns Schnelligkeit, Technik und Zug zum Tor überzeugt gewesen. »Doch auf der Acht kann er jetzt viel mehr am Spiel teilnehmen.«

Auf seiner neuen Position muss Hofmann sich seine Ineffizienz vor dem Tor nicht mehr vorwerfen lassen, für die Treffer sind nominell andere verantwortlich. Und dennoch trifft er auf einmal. Nachdem er vor dieser Saison kein einziges Tor für Gladbach erzielt hat, sind es mittlerweile schon vier. Auch, wenn er nicht jeden Samstag einen Hattrick versenken wird – beim nächsten Mal macht bestimmt niemand am selben Spieltag fünf Tore.