Heute vor zehn Jahren: Das letzte Spiel am Bökelberg

Von »De Kull« zum modernsten Stadion Deutschlands

81 Jahre lang beheimatet der Bökelberg Borussia Mönchengladbach. Büchsenwurf, Pfostenbruch, Meisterschaften, Abstieg, Aufstieg. Mitten in der Stadt baute der Verein in seiner Pionierzeit das Gelände »De Kull«, eine ehemalige Kiesgrube, zu einem der modernsten Stadien Deutschlands um. Das war irgendwann in den Siebzigern. Die Zeit verging, der Bökelberg blieb so wie er war. Ein neuerlicher Versuch, das Stadion komplett umzubauen, scheiterte Ende der Neunziger an den Anwohnern. Sie hatten genug. Also entschied sich der Verein zum Stadion-Neubau.

Heppos Frauen und Oscars Umzüge

Wir Fans mussten uns vom damals ältesten Stadion der Bundesliga verabschieden. Von den kleinen Kassenhäuschen am Fuße des Stadionwalls, vor denen sich Fan und Verkäufer noch per Handschlag begrüßten. Von den Ordnern, die Vater und Sohn für ein «Schmiergeld« von fünf Mark ohne Karte lächelnd durchwinkten. Von den drei nicht überdachten Stehplatztribünen, auf denen man im Sommer bei gefühlten 50 Grad stand und nach Regenschauern nass bis auf die Unterhose nach Hause fuhr. Von den schäbigen Holzhütten, in denen Bier und Wurst verkauft wurden.

Und von den kultigen Werbesprüchen, die Stadionsprecher Rolf Göttel niederrheinisch trocken durch die Lautsprecher verkündete. »Ob Norden, Süden, Osten, Westen – Heppos Frauen sind die Besten« oder »Oscar Esser macht den Umzug besser«. Beim heutigen Stadionbesuch zwischen nerviger Fan-Box und aufwendig produzierten Image-Filmchen kaum vorstellbar.

»Steht auf für den Bökelberg«

Am 22. Mai 2004 war das noch Tagesordnung. Gut, vielleicht hatten Heppos Frauen ausgedient, der Charme des Bökelbergs entwickelte sich trotzdem. Ich erinnere mich noch gut an den Moment, als ich ein letztes Mal die steilen Stufen in meinen Stehplatzblock hinunterstolzierte. Die per Hand-Tacker bearbeitete Dauerkarte in der Hand, das satte Grün vor Augen. Der typische Geruch von Bratwurst, Schweiß und verschüttetem Bier.

Zwei Minuten vor dem Abpfiff, erhob sich damals das ganze Stadion und sang: »Steht auf für den Bökelberg«. Eigentlich totaler Blödsinn, ein Stadion so zu feiern. Uns schien das angemessen. Unter Tränen verabschiedeten wir den Bökelberg ins Grab. Heute stehen dort, wo früher Netzer oder Heynckes über den Platz wirbelten, moderne Villen. Immerhin etwas ist geblieben. Ein Gesang in der neuen Heimat: »Samstagmittag geht es los, im Stadion zum Bökelberg...«