Endlich: Bundesligaspieler müssen zum Neurologen

Langzeitfolge

Die DFL verpflichtet alle Bundesligaspieler zum Hirntest vor der neuen Saison. Eine gute Entscheidung - die hoffentlich nicht zu spät kommt.

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Vergangene Woche war Christian Mathenia im Nürnberger Krankenhaus. Nein, der Torwart hatte wahrlich keine Probleme, er schaute sich allein einen geeigneten Kreißsaal für die bevorstehende Geburt seiner Tochter an. »Im Südklinikum gibt es einen Club-Kreißsaal, da soll die Entbindung stattfinden. Dort ist die ganze Wand vollgemalt mit Marek Mintal und anderen Club-Legenden.« Eine Aussage, die eigentlich genügt hätte, um Mathenia einen mittelschweren Schaden zu diagnostizieren, wäre er eben nicht Keeper beim 1. FC Nürnberg.

Demnächst dürfte Mathenia jedenfalls selbst untersucht werden. Die DFL und der DFB haben in einem gemeinsamen Schreiben an die 36 Bundesligisten die verpflichtende Teilnahme an einem »Baseline Screening« zur Untersuchung von möglichen Hirnschäden angekündigt. Es ist eine einschneidende Entscheidung. Aber auch eine, die längst überfällig war.

Viele Kopfverletzungen

Denn Christian Mathenia lag im Februar selbst auf dem Rasen, schwer gezeichnet von einem Zusammenprall mit Bremens Theo Gebre Selassie. Er war bewusstlos zusammengebrochen, hatte sich auf die Zunge gebissen, wurde von seinen Mitspielern in die stabile Seitenlage gebracht. Nach einer kurzen Behandlungspause spielte Mathenia tatsächlich weiter. Die Kritik daran war in den Folgetagen überlaut.

Mathenia ist nur einer von mehreren prominenten Spielern, die in der abgelaufenen Saison mit Kopfverletzungen zu kämpfen hatten - und deren medizinische Versorgung fragwürdig war. Am gleichen Spieltag spielte Achraf Hakimi mit einer Kopfverletzung weiter, Danny Latza wurde hingegen frühzeitig ausgewechselt. Timo Baumgartl konnte nach einer Gehirnerschütterung wochenlang nicht auflaufen. In der Relegation spielten Stuttgarts Innenverteidigerduo Holger Badstuber und Ozan Kabak ab der 23. Minute nach einem Zusammenprall mit Turbanen weiter. Im Champions-League-Halbfinale wurde der angeschlagene Jan Vertonghen erst ausgewechselt, als er sich übergab.

Angst vor CTE

Kritisiert wurde, dass die Verbände für Kopfverletzungen keine einheitlichen Überprüfungsszenarien vorsehen. Im American Football, dort wo Kopfverletzungen und die Folgen der degenerativen CTE-Erkrankungen und darauffolgende Symptome wie Depressionen, Aggressivität bis hin zu Mord und Suizid allgemein bekannt sind, ist längt ein Concussion Protocol eingeführt worden. Spieler, die eine Gehirnerschütterung erlitten haben könnten, müssen mehrere Tests durchlaufen, ehe sie wieder auf das Spielfeld zurückkehren dürfen - oder eben nicht.