Dortmunds Weidenfeller verurteilt

Liebesgrüße aus der Sandkiste

Was hat sie nicht in den letzten Tagen die Gemüter erregt – die Konfrontation von Roman Weidenfeller und Gerald Asamoah im Revierderby. Gar reißerisch „hochstilisiert“ bis zur Rassismus-Äffäre fand diese nun ihren peinlichen Höhepunkt im abschließenden Urteil des DFB. Drei Spiele Sperre für Roman und 10.000 Euro Geldstrafe für das Vergehen des BVB-Schlussmannes. Aber für welches eigentlich? Das Urteil wirft jedenfalls mehr Fragen auf als es beantwortet.
Beim DFB selbst ist man sich dessen nicht ganz so sicher und umschreibt das Ganze kryptisch mit „einer herabwürdigenden und verunglimpfenden Äußerung“, was wohl nur eine etwas andere Formulierung für das schnöde Wort „Beleidigung“ ist. Rassistisch hingegen soll das, was Weidenfeller seinem Gegenspieler im Derby zu sagen hatte, so hört man aus Frankfurt, aber auf keinen Fall gewesen sein, und auch Weidenfeller selbst verneint diese Vorwürfe.

Das hört man auch bei Borussia gerne, wo einem bei einer Verurteilung wegen rassistischer Äußerungen der Hauptsponsor aufs Dach gestiegen wäre. Und akzeptiert in der allgemeinen Erleichterung auch gleich mal ein Urteil, das an Unverhältnismäßigkeit kaum noch zu überbieten ist. Drei Spiele Sperre für einen Vorwurf, den man nicht halten und auch nicht beweisen konnte, klingen arg nach einem vierwöchigen Fahrverbot wegen Hupens im Berufsverkehr.

Doch da sich der DFB aber den Kampf gegen Rassismus, zumindest in seiner dekorativen Form, an die Brust geheftet hat, kam ein kompletter Freispruch für Weidenfeller wohl nicht in Frage. Mit so etwas tut man sich an der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise traditionell sowieso schwer. „In dubio pro reo – im Zweifel für den Angeklagten: Der Grundsatz, der in der Deutschen Rechtsprechung helfen soll, wenn Zweifel an der Schuld auftreten, gilt scheinbar nichts für die Sportrichter des Deutschen Fußball Bundes.

Um das gefällte Urteil in irgendeiner Weise doch noch mit Berechtigung zu füllen, amüsiert man uns im Nachhinein mit angeblichen „Wortneuschöpfungen“ wie Schwabbelschwein, was moralisch natürlich viel weniger anstößig erscheint wie „schwul“ oder „schwarz“, aber nicht minder Kindergartenniveau hat als die ganze Geschichte an sich.

Hupen in der Öffentlichkeit gehört sich sicher ebenso wenig wie Beleidigungen unter erwachsenen Männern auf dem Fußballplatz. Trotzdem tut es fast jeder und wird es wohl auch in der Zukunft tun - daran ändert auch ein fragwürdiges DFB-Urteil nichts. Sowieso ist davon auszugehen, dass dieser neue Präzedenzfall in derselben Schublade verwinden wird wie die Möller-Schwalbe oder der TV-Beweis gegen Christian Wörns, andernfalls wäre wöchentlichen Beschimpfungsvorwürfen Tür und Tor geöffnet und die Mannschaften würden sich ob der Flut von gesperrten Spielern bald von selbst aufstellen. Auch lässt der DFB in der Umsetzung seiner hohen moralischen Vorstellungen Konsequenz vermissen, indem er Asamoahs martialische Geste des Kehle-Durchschneidens und seine wenig schlüssige Erklärung dieser geflissentlich übersieht. Dabei wäre hier eine nachträgliche Ahndung mittels TV-Beweis recht einfach, ist sie doch per Großaufnahme und in aller Deutlichkeit über die Mattscheibe geflimmert. Aber auch hier, wird wie so oft, mit zweierlei Maß gemessen, und über die Gründe darf man spekulieren. Stößt die Forderung nur deshalb auf taube Ohren beim DFB, weil von Vereinsseite nicht laut genug aufgeschrieen wurde? Sind deutschen Medien die Gebärden-Experten ausgegangen? Nationalspieler-Bonus? Oder mag man nicht auch noch ein weiteres Fass aufmachen? Schließlich steht die Geste Asamoahs in direktem Gegensatz zu den gerade erst heraufbeschworenen Bemühungen der Vereinsoberen, die Derbys frei von Aggression zu reden.

Diese selbst auferlegte Haltung hat zumindest Borussia schon in Perfektion verinnerlicht. Wie zuletzt schon auf dem Platz sind die Borussen dieser Tage schnell dabei, sich selbst das Büßergewand überzustreifen und dort einzustecken, wo ein wenig mehr gesundes Selbstbewusstsein und Kampfgeist wünschenswert wären. Mit dieser Einstellung gewinnt man keinen Blumentopf, keine Konflikte und erst recht kein Spiel!