Die wirklich wichtigen Spiele am Länderspielwochenende

»Die Spieler sind bereit für Action«

Cayman Inseln – Belize
Montag, 30. März, 1 Uhr
WM-Qualifikation, Nord- und Mittelamerika
 
Am Montag gibt es eigentlich zwei echte Leckerbissen. Und wenn ihr gerade in der Karibik weilt, empfehlen wir euch großartiges Inselhopping. Denn zum einen spielt Winnie Schäfers Jamaika in Kingston gegen den Nachbarn Kuba. Nur ein paar Schiffsmeilen (oder eine Flugstunde) entfernt treffen die Spieler der Cayman Inseln auf die Mittelamerikaner von Belize.
 
Die Inseln sind zumindest aus Fifa-Funktionärssicht eine Fußballhochburg: Fifa-Finanzprüfer Canover Watson wurde im September 2014 dort verhaftet, und im Sommer 2011 wurde AFC-Präsident Mohamed bin Hammam wegen Korruption lebenslang von der Fifa gesperrt – auch wegen dubioser Geldgeschäfte, die über die Cayman Inseln abgewickelt wurden.
 
Auf dem Platz läuft es auch nicht sonderlich berauschend. Oft spielt das Team nur vor wenigen hundert Zuschauern. Doch auch wenn es normalerweise Niederlagen in Serie setzt, schaffte das Team 1995 einen großen Erfolg: Bei den Karibikmeisterschaften zogen die Cayman Inseln sensationell und mit ein wenig Losglück ins Halbfinale ein. Dort schied das Team mit 2:9 gegen Trinidad und Tobago aus.
 
In der WM-Qualifikation geht es nun gegen Belize, die beim letzten großen Turnier, dem CONCACAF Gold Cup 2013 in den USA, etwas unangenehm und überheblich aufgefallen war.
 
Überheblich? Belize? Nun, das Land selbst schmückt sich gerne mit Understatement. Der Wahlspruch Belizes lautet »Sub Umbra Floreo«, was so viel heißt wie »Ich blühe im Schatten«. Zwar gehört das Land zu den reicheren Mittelamerikas, doch im Sport fehlt es stets an Geld. Vor dem Gold Cup 2013 waren die Verbandskassen so leer, dass nicht mal sicher war, ob die Mannschaft trotz Qualifikation überhaupt teilnehmen konnte. Also wurde kurzerhand ein Spendenmarathon durchgeführt, der über 100.000 US-Dollar einbrachte.
 
Doch all das interessierte Verbandspräsident Ruperto Vicente nicht die Bohne, denn er sieht sich seit jeher in ganz anderen Sphären. Er ist eine Art Miami-Vice-Player mit Sonnenbrille und einem Selbstbewusstsein bis zum Mond. Natürlich hasst Vicente Schatten.
 
Kurz vor der Abreise in die USA diktierte er maschinengewehrartig Sätze in die Blöcke der Reporter. Eine Auswahl:
 
»Wir müssen die USA nicht nur schlagen, wir müssen sie demütigen.«
 
»Dies ist Verantwortung. Dies ist unsere Aufgabe!«
 
»Wir nehmen an solchen Turnieren nicht nur teil. Wir sind dabei, um sie zu gewinnen!«
 
Schließlich sagte er: »Die Spieler sind bereit für Action.«
 
Die Mannschaft verlor das Auftaktspiel gegen die USA 1:6 und schied in der Vorrunde als Tabellenletzter aus. Die Bilanz: Null Punkte, ein Tor und elf Gegentore.

Vielleicht läuft's ja gegen die Cayman Inseln besser.