Die wirklich wichtigen Spiele am Länderspielwochenende

»Wir müssen sie demütigen«

Die Länderspielpause ist langweilig? Von wegen! Wir präsentieren fünf Highlights für die kommenden Tage. Mit Patrick Kluivert in Curacao, Hexenmeistern in Gambia und dicken Eiern in Belize.

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Amerikanische Jungferninseln – Barbados
Donnerstag, 26. März, 20.30 Uhr
WM-Qualifikation, Nord- und Mittelamerika
 
Wenn eine Nationalelf gegen den karibischen Inselstaat St. Lucia mit 1:14 verliert, ahnt der von der Champions League verwöhnte Fan, dass man heute Abend um 20.15 Uhr lieber »Alarm für Cobra 11 - Die Autobahnpolizei« einschalten sollte.
 
Für alle anderen gilt: Es gibt Großes zu entdecken. Neue Helden, neue Fast-Helden, gar keine Helden.
 
Immerhin stehen die Amerikanischen Jungferninseln nicht auf dem letzten Platz der Fifa-Weltrangliste, da rangiert momentan Bhutan. Und es geht steil aufwärts! Bis vor kurzem hatten die Amerikanischen Jungferninseln in ihrer Fußballgeschichte nur drei Spiele gewonnen (alle gegen die Britischen Jungferninseln). Vor vier Tagen aber gelang ein sensationeller 1:0-Sieg gegen Barbados.
 
Jene Inselkicker aus Barbados haben in ihren Reihen immerhin zwei Legionäre: Raheim Sargeant spielt für den englischen Achtligisten Lancaster City, Louis Moss läuft sogar in der sechsten Liga für Colwyn Bay auf und traf einst gegen den ehemaligen League-Cup-Sieger Luton Town. 2001 gewann Barbados 2:1 gegen den letztjährigen WM-Viertelfinalisten Costa Rica.
 
Ansonsten hier noch eine kuriose Geschichte, mit der ihr sicherlich in der Barbados-Fankneipe eures Vertrauens glänzen könnt:
 
Beim 8-Nationen Turnier 1994 in Barbados hatte es der Gastgeber selbst noch in der Hand, Erster zu werden, wenn man mit zwei Toren Unterschied siegte; Grenada reichte eine knappe Niederlage zum Weiterkommen. Sieben Minuten vor dem Ende stand es 2:1. In den Reihen der Akteure aus Barbados machte sich nun nicht nur Verzweiflung breit sondern vor allem große Verwirrung. Würde man in nur sieben Minuten noch das 3:1 schaffen? Oder wäre es nicht besser, per Eigentor das 2:2 zu schießen, das Spiel in eine 30-minütige Verlängerung zu schicken und auf ein »Golden Goal« zu hoffen, das aufgrund einer Sonderregel doppelt zählen und zum Endstand von 4:2 führen würde?
 
Als Grenada nun mitbekam, was das Team von Barbados plante, war man in der misslichen Lage, gleich beide Tore verteidigen zu müssen! Das gelang allerdings nur wenige Minuten lang, dann schoss Barbados ein absichtliches Eigentor zum 2:2.
 
Damit aber noch nicht genug. Als die Spieler nun zum Anstoß am Mittelkreis standen, ging Grenada auf, dass man nun selbst ein Eigentor schießen musste, denn eine 2:3-Niederlage reichte dem Team ja. Was zum Szenario führte, dass es nun die Fußballer aus Barbados waren, die in den letzten Sekunden beide Tore – auch das von Grenada – gegen die Fußballer aus Grenada verteidigten. Sie taten das mit großem Erfolg, denn Barbados rettete das Spiel nicht bloß in die Verlängerung, sondern schoss in der 94. Minute auch das entscheidende »Golden Goal« und gewann 3:2, also 4:2.
 
Gambia – Mauretanien
Freitag, 27. März, 20.00 Uhr
Freundschaftsspiel
 
Gambia ist immer eine Reise wert. Das dachte sich auch der Welt-Trainer Holger Obermann, den es 1985 in das kleine afrikanische Land verschlug. Eine kleine Anekdote vom Finale um den Amilcar-Cabral-Cup gegen Senegal:
 
»Die Busfahrt verlief äußerst kurios. Wir nahmen von unserem Hotel eine Ausfahrt zum Stadion, an der grün-weißes Pulver verstreut über der Straße lag. Unser Kapitän Biri-Biri forderte den Busfahrer auf, sofort anzuhalten, weil der Weg seiner Meinung nach verhext worden sei. »Das ist Gift«, sagte er, »wenn wir da drüber fahren, haben wir schon verloren.« Das Stadion war bereits in Sichtweite. Ich versuchte ihn von seinem Aberglauben abzubringen, aber er ließ sich nicht umstimmen. So mussten wir einen großen Umweg fahren und kamen gerade noch rechtzeitig zum Spiel. Später stellte sich heraus: Es waren einfach große Mengen Waschpulver, die von der Putzkolonne des Hotels auf die Straße gekippt worden waren.«
 
Die Mannschaft verlor. Obermann war niedergeschlagen, doch am folgenden Tag war er zu Gast beim gambischen Premierminister. Der versicherte ihm: »Coach, machen Sie sich keine Sorgen. Ich bin stolz auf die Mannschaft. Der Sieg gegen den Senegal hätte einen Bürgerkrieg heraufbeschworen. Sie haben das kleine Gambia vor Übermut bewahrt.«
 
In der Vorrunde dieses Turniers besiegte Gambia übrigens Mauretanien, das aktuell eine äußerst illustre Truppe aufweist: So sind mit Abdoul Ba (RC Lens), Khassa Camara (ES Troyes AC) oder Adam Ba (Chamois Niort) drei Spieler in Frankreichs Profiligen aktiv. Mitspieler Diallo Guidileye hat mit dem zyprischen Klub AEL Limassol sogar Champions-League-Erfahrung gesammelt.
 
Unser Highlight der nächsten Tage.

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