Die verrückte BVB-Liebe eines 19-jährigen Arabers

»Mein Hobby? Über Schalke lachen«

Loai Mansour ist 19 Jahre alt, kommt aus Saudi-Arabien und zog wegen seiner großen Liebe nach Deutschland. Die heißt: Borussia Dortmund.

Privat

Fan kommt von Fanatiker. Fanatiker haben meistens einen an der Waffel. Fußballfans auch. Nur dass man sie in den meisten Fällen dafür einfach gern haben muss.

So wie Loai Mansour. Der ist 19 Jahre alt, kommt aus Dammam, einer 800.000-Einwohner-Stadt an der Ostküste von Saudi Arabien, und hat ganz gehörig einen an der Waffel. Loai ist Fan von Borussia Dortmund. Nicht irgendein Sympathisant. Er hat sich vor dem Fernseher in die schwarz-gelben Fans und ihren Klub verknallt und deshalb Dinge getan, die Verliebte nun einmal tun. Dinge, die andere Menschen für absolut bekloppt halten. Aber irgendwie auch für sehr liebenswürdig.

Seine große Liebe wohnt nicht gerade um die Ecke

Loais Geschichte beginnt im Sommer 2010 vor seinem Computer-Bildschirm in Dammam. »Ich  sah ein Foto von der Südtribüne. Die Spieler saßen einfach nur davor und staunten. Ein unglaublicher Anblick«, sagt Loai – ein breit gebauter Kerl mit sehr dunkler Haut, kurzen schwarzen Haaren und einem scheuen Blick – im Herbst 2015 beim Apfelsaft in Berlin. Der junge Araber hatte Bekanntschaft mit der »Gelben Wand« gemacht. Wie das so ist mit der großen Liebe: Sie springt einen überfallartig an, krallt sich fest, steckt das Herz in Flammen und macht süchtig. Gerade bei einem Teenager. Bloß, dass sich dieser Teenie nicht in das hübsche Nachbarsmädchen verknallte, sondern in einen ihm bis dahin unbekannten Fußballverein. Mehr als 6000 Kilometer und 20 Flugstunden entfernt.

Loai Mansour verbringt jetzt viele Stunden vor seinem Rechner. Er liest unzählige Artikel über den BVB, sieht sich jedes Video an, das Youtube über die Dortmunder im Angebot hat. Nach und nach lernt er die Geschichte des Klubs. Wird Fan von Andy Möller und ist dann tief enttäuscht, als er erfährt, dass der zum FC Schalke wechselte. Knut Reinhardt! Kalle Riedle! Matthias Sammer! Rickens Heber im Champions-League-Finale! Dank Internet führt er ein Fan-Leben im Zeitraffer. Und um dem ganzen Wahnsinn noch die Krone aufzusetzen, beginnt dieser junge Mann, der noch nie in seinem Leben in Deutschland war, Dortmunds Rivalen aus Herne-West zu verabscheuen. Geht's noch, Loai? »Ich liebe Dortmund, ich hasse Schalke. Das ist doch ganz normal«, sagt der. Echte Liebe und so. Als wenn die findigen PR-Menschen vom BVB diese Geschichte erfunden hätten.

Eine Reise nach Deutschland. Allein. Mit 16. Ohne Sprachkenntnisse

Ein Problem gibt es da noch: Für eine Fernbeziehung ist Loai auf Dauer nicht gemacht. Also bekniet er seinen Vater, ihn nach Deutschland reisen zu lassen. Um den BVB zu sehen. Wir befinden uns im Jahr 2012. Natürlich sagt sein Vater nein. Sein Sohn ist erst 16, spricht weder Deutsch noch Englisch. Aber wie soll man seinem eigenen Sohn verbieten, die große Liebe zu sehen? Man war doch auch mal verknallt. Irgendwann gibt Mansour Senior klein bei und bezahlt das Flugticket nach Deutschland. Loai setzt sich in den Flieger. Allein.