Die ungewöhnliche Karriere des Cairo Santos

Stiernacken vs. rechte Klebe

2014 folgt der Sprung in die NFL, als erster Brasilianer überhaupt. Bei den Kansas City Chiefs verdrängt er mit seinen 22 Jahren auf Anhieb Stammkicker Ryan Succop, den zielsichersten Kicker in der Geschichte des Teams aus dem »Show Me State«.

Santos wirkt oft verloren zwischen den testosterongeschwängerten Kühlschrank-Kollegen mit seinen 1,73 Meter, der Bankkaufmann-Frisur, der haarlosen Brust. Eintritt in die Welt der Stiernacken verschafft er sich durch seine rechte Klebe. Sie ist gefürchtet, schießt in einem Spiel gleich sieben Field Goals, ein Teamrekord. Die gewaltigen Fleischberge in der Umkleide verstummen.

Eierschießen in Mekka

Im November 2015 gastieren seine Chiefs schließlich in London, spielen in Wembley gegen die Detroit Lions. Ein Werbezirkus der NFL, doch für Santos ist es mehr als das. Santos wandelt freudig durch die Hauptstadt des Fußballs, besucht die Stamford Bridge, trifft seine Landsleute Willian, Oscar, Ramires. Dann geht es hin zu seinem Sehnsuchtsort, im Norden der Stadt. Wembley. Santos betritt das weite Rund, sieht die 86.000 roten Sitze, den Wembley Arch, die Royal Box. »Es ist unbeschreiblich, hier spielen zu dürfen, bei all den Erinnerungen, die ich an die Three Lions habe.«

Sieben Mal wird Santos an diesem Tag auf den Rasen beordert, den heiligen Rasen von Wembley, seinem Fußballmekka. Sieben Mal tritt Santos an, trifft das Ei im Vollspann, sieht ihm hinterher beim Flug zwischen die Pfosten, hört die Fans jubeln. Santos verlässt Wembley als Sieger.

Zurück in den USA stehen nun die Playoffs an. Die Chiefs spielen in Houston, die Footballwelt schaut einmal mehr auf Cairo Santos. Der lebt weiter einen Traum – nur nicht seinen eigenen.