Die ungewöhnliche Karriere des Cairo Santos

Das Ei flog übers Kuckucksnest

Bis ihm Tyler eines Tages ein Lederei hinhielt. »Er wollte sehen, wie weit ich einen Football schießen kann«, sagt Santos. Also nahm der Junge zwei Schritte Anlauf auf der Einfahrt der Burnetts – und bolzte das ovale Spielgerät die Straße hinunter. Das Ei sei über 50 Yards weit geflogen, schätzt Santos bei der BBC; eine Distanz, die selbst manch NFL-Kicker nicht mühelos schafft.

Der Wendepunkt im Leben des 1,73 Meter kleinen Brasilianers, auch, wenn er das zunächst nicht wahrhaben wollte. Santos: »Ich wollte nicht Football spielen und dabei verletzt werden. Ich konzentrierte mich weiter auf Fußball.« Erst, als seine Freunde ihm versicherten, dass der Kicker beim Football nur für Kicks auf das Spielfeld kommt und nicht vom Gegner angegangen werden darf, willigte der Gastschüler ein, sich der Schulmannschaft anzuschließen. Tage später war er Teil des Teams, kurz darauf bereits ihr Star. Alles, was er dafür machen musste, war, nach Aufforderung einen Lederball durch zwei Pfosten zu schießen – wenn es die Situation erforderte, auch von hinter der Mittellinie. Das, was sonst keiner konnte.

Autodidakt mit Controller in der Hand

Wie dieses American Football genau funktionierte, dass wusste Santos bis dahin immer noch nicht. Also daddelte er sich schlau: Das Regelwerk eignete er sich über Videospiele an der Xbox der Gasteltern an. Bis irgendwann alles Sinn machte, die vielen Positionen, die komplizierten Spielzüge, die verwirrenden Anweisungen. Auf dem Platz war sein Talent da bereits so offensichtlich, dass seine Gastmutter ihn mehrmals die Woche nach Daytona Beach zu privatem Kick-Training kutschierte – eine Stunde, one-way.

Nach Ende des Austauschjahres stand fest: Santos hat außergewöhnliches Talent zum Kicken – im Football, nicht Soccer. Also entschloss er sich zu bleiben, in Florida, 6000 Kilometer vom Elternhaus entfernt. Santos bekam ein Sportstipendium an der Tulane University in New Orleans, gewann die Auszeichnung als bester Kicker im College-Football, setzte sich in den Rekordbüchern seiner Alma Mater auf Platz 1.