Die 11 des Spieltags (5)

Eo Amama Eo

Roman Neustädter
Das »11FREUNDE-Kopfballpendel aus Medizinball-Leder« geht diese Woche an Schalkes Roman Neustädter. In der 51. Minute des Spieles in Bremen wartete Neustädter nämlich im Strafraum auf eine Ecke, überlegte es sich dann aber anders, lief kurz aus dem Stadion und zum City Airport Bremen, wo er seinen Flugschein ablegte, rannte zurück, stieg hoch und wuchtete den Eckball so schulbuchhaft-kompromisslos zum 2:0 in die Maschen, dass irgendwo in Hamburg Horst Hrubesch zum Telefon griff, um sich mit Dieter Hoeneß auf ein paar Kopfnüsse zu verabreden. Kopfschmerz-tastisch.

Salomon Kalou
Hätte man Salomon Kalou vor ein paar Jahren prophezeit, dass er in nicht allzu ferner Zukunft bei einem grauen Mittelfeldteam der Bundesliga kickt, hätte er einen wahrscheinlich mit seinen zahlreichen Trophäen gesteinigt oder mit seiner Champions-League-Siegermedaille ausgepeitscht. Aber nun ist es nun mal so gekommen, und Kalou scheint keiner zu sein, den ein kleiner Karriereknick, nunja, knicken könnte. Also haut er sich bei seinem neuen Arbeitgeber rein, debütierte nun in der Startelf und erzielte prompt das Siegtor gegen Wolfsburg, als er bei einem wunderschönen Flugkopfball so elegant durch den Wolfsburger Strafraum segelte, dass auf Bestreben des Berliner Senats der Flughafen BER nun doch schon dieses Jahr fertig gestellt werden soll. Mit einer zusätzlichen Startbahn am Trainingsgelände der Hertha, extra für Kalou.

Tayfun Korkut
Mit nun zehn Punkten aus fünf Spielen hat Hannover 96 nach dem 1:0-Sieg gegen Köln einen erstaunlich starken Saisonstart hingelegt. Verantwortlich zeigt sich dafür Trainer Tayfun Korkut, der aber nach Spielende nicht etwa durchdrehte und die Meisterschaft als Minimalziel ausrief, sondern schön auf dem Teppich blieb und Worte der Zurückhaltung sprach: »Mit zehn Punkten haben wir noch überhaupt nichts erreicht. Das Wort Spitzenmannschaft gefällt mir nicht.« Na, dann passt er doch gut nach Hannover.

Daniel Didavi
Dieselben Probleme wie im Vorjahr, dieselben schlechten Ergebnisse, erneut am Ende der Tabelle, hastig den Sportdirektor gefeuert – fast könnte man meinen, der VfB Stuttgart leide an chronischer HSVitis. Obschon man sagen muss, dass die Stuttgarter in Dortmund eine mehr als passable Leistung zeigten und durch zwei Tore von Daniel Didavi sogar 2:0 in Führung lagen. Dass es dann doch nicht zum Sieg reichte, ist vielleicht der alten Brehmeschen Regel von der Scheiße geschuldet, die man am Schuh hat, wenn man eben Scheiße am Schuh hat. Aber gut, so eine HSVitis auszukurieren dauert eben ein wenig. Immerhin scheint Didavi ein altes Hausmittel zu kennen: Tore schießen.

Fredi Bobic
Mit Bestürzung haben wir die Entlassung von Fredi Bobic zur Kenntnis genommen, der seit den seligen Zeiten des Magischen Dreiecks für immer einen Stein bei uns im Brett hat. Nach dem mageren Abschneiden in der letzten Saison sowie dem Fehlstart in die neue Spielzeit zogen die Bosse beim VfB nun die Reißleine und entließen Bobic - und man muss nicht gerade zufällig an einem Schachbrett sitzen, um an das Wort »Bauernopfer« zu denken. Uns wird Bobic fehlen, aber wir sind sicher, dass er bald wiederkommt, schließlich ist er ein Kind der Bundesliga. Bis es soweit ist, vertreiben wir uns die Zeit mit alten Bundesliga-Classics aus den Neunzigern, malen uns einen roten Brustring auf den Oberbauch-Specklappen und summen ein wenig traurig den größten (und einzigen) Hit des Tragischen Dreiecks, »Steh auf!«. Und jetzt alle: eo amama eo, eo amama eo….