Borussia Dortmund unterwegs

Endlich wieder Wildpark

Neun Jahre war der Karlsruher Sport-Club Mühlburg-Phönix dorthin verschwunden, wo die Grätschen härter und die Stadien oft noch angenehm heruntergekommen sind. Jetzt sind die Badener wieder in der Bundesliga.
Und am Samstag werden einige (obwohl aktive) Vertreter der Dortmunder Fanszene den Ground Wildparkstadion erstmals abhaken können. In Karlsruhe waren einige einfach noch nicht.

[ad]

Und was ist das für ein traditionsreiches Gemäuer! Oliver Kahn bekam hier seine ersten ernstzunehmenden Schüsse auf den Kasten, Mehmet Scholl wurde zum Teenie-Idol. Das Stadion, eines der wenigen, deren Namen noch nicht von Konzernen geschändet wurden, ist die fußballerische Geburtsstätte von Edgar „Euro-Eddy“ Schmitt, Schauplatz legendärer Uefa-Cup-Schlachten in den 90er Jahren: 7:0 gegen Valencia nach verlorenem Hinspiel; Girondins Bordeaux und der AS Rom scheiterten gegen die Jungs von Winfried Schäfer. Die Rede war derweil stets vom KSC 2000, der spätestens mit der Jahrtausendwende den Trophäenräuber der Liga geben sollte. Doch das trat genauso wenig ein, wie das prophezeite Y2K-Desaster inklusive Weltuntergang. Mit Edmund Becker und seinem Trainerteam, von dem alle vorher beim KSC kickten, ging es endlich wieder frisch in die erste Liga, wo der Mannschaft gleich ein eisiger Wind entgegen wehte, den man im sonnigen Südwesten der Republik so selten spürt.

Der Mann, der für den Aufstieg maßgeblich verantwortlich war, hat indes die Seiten gewechselt. Giovanni Federico wurde im vergangenen Jahr Torschützenkönig (19 Treffer) der zweiten Liga und ebenfalls deren Topscorer. Ätsch, der ist jetzt bei uns. Und hat bestimmt extremst Lust, gegen seinen alten Verein das eine oder andere Mal zwischen die Stangen zu treffen. Soll ja schließlich früher schon für Borussia gebrüllt haben, der junge Mann aus dem Land des Fußballweltmeisters und der ’Ndrangheta, geboren in Hagen.

Nur was sind das für Vorzeichen? Nach dem Debakel in der hinter uns liegenden englischen Woche hätten eigentlich alle Anglizismen sofort verboten werden müssen. But anyway, the Show muss weitergehen und You’ll never lauf allein. Beweglichkeit und Geistesfrische wird Thomas Doll seinen gegen den HSV stümpernden Innenverteidigern wohl kaum in der kurzen Zeit vermittelt haben. Also spielt der BVB in Baden wieder westfälisches Defensiv-Roulette. Kapitän Wörns scheint gesetzt, ob Markus Brzenska seine Comedyeinlage vom Dienstag wiederholen darf, bleibt dahingestellt. Als Alternativen stünden der so überaus überlegen in die Saison gestolperte Robert Kovac und der von Doll seltsamerweise kaum beachtete Martin Amedick bereit.
Philipp Degen könnte nach auskurierter Verletzung wieder die Ballverluste auf der rechten Seite übernehmen, während für die von Florian Kringe dringend ein Vertreter her muss. Der Spieler mit der Rückennummer 6 wollte gegen Hamburg ein Zeichen setzen, hatte aber vergessen, dass er bereits verwarnt worden war. So etwas passiert in der ganzen Hektik auf einem Fußballplatz! Kringes Kampfgeist – und hier endet die Ironie zeitweilig – wird der Mannschaft sicher im Stadion im Hardtwald fehlen, wo es nicht nur gegen elf Spieler und ein lautstarkes Publikum, sondern auch gegen Maskottchen „Willy Wildpark“, ein Wildschwein, geht. Die alte Sau! Und die hat nicht einmal was mit Christian Wück zu tun.

Wer im Sturm spielt, nachdem der BVB-Coach den zuletzt überzeugenden Mladen Petric im Flutlichtspiel wegen eines Muskelfaserrisses rausnahm? Buckley? Doch Nelson Valdez? Katze Zumdick? Und gibt’s einen Klimo-Wandel? Ich weiß es doch auch nicht. Mehmet Akgün hatte am Dienstag ja auch keiner so recht auf der Liste. Sollte Degen noch nicht fit sein, kommt der junge Türke für seinen dritten Bundesligaeinsatz in Frage, gehörte er doch beim 0:3 zu den weniger erbärmlichen Akteuren in schwatzgelb. Im Tor gesetzt ist Roman Weidenfeller und das ist das einzig Richtige.

Die Elf von Edmund Becker ermauerte sich unter der Woche einen Auswärtssieg bei der Frankfurter Eintracht. Mit dabei war auch der Hertener Christian Timm, der bis 1999 das Dortmunder Trikot trug. KSC-Stürmer Bradley Carnell wird Delron Buckley am Samstag beweisen wollen, wer der bessere Südafrikaner ist.

In der Kategorie „Vorsicht!“ listet die Fanabteilung bei jedem Auswärtsspiel zu erwartende Konflikte auf. Da diese Rubrik in Sachen Karlsruhe bislang nur mit dem wenig aufschlussreichen Wörtchen „folgt“ gefüllt ist, hier mal ein echter Insidertipp des Autors: Haltet euch in KA von den Boxern fern. Die sind nämlich ziemlich gut. 1200 Mitglieder zählt die Faustkampf-Abteilung des KSC, hier lernte Sven Ottke das Kloppen.